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Im deutschen Reich · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. 654

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
[Ohne Titel] / Weißberg, M.
Date
1909-11-01
Page
654 (sequence 5)
Language
German
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654 Im deutschen Reich. Mit dem Eintritt in die Schule beginnen bei unfern Kindern häufig die inneren Konflikte, hervorgerufen durch ihre Sonderstellung den andern Kindern gegenüber. Auf diesen Moment müssen sie von uns vorbereitest sollen sie von uns so gekräftigt werden, daß sie unter der etwaigen Zurücksetzung nicht allzu sehr zu leiden haben, daß sie nicht Schaden nehmen an dem Vertrauen zur Menschheit und dadurch ihre Lebensfreude nicht schon im Kindesalter den ersten Stoß erhält. Die Eltern müssen in der Auswahl der Schulen vorsichtig sein und ihre Kinder nur in solche -Schulen schicken, wohin sie ihrer Befähigung und der sozialen Stellung ihrer Eltern nach gehören und besonders dahin, wo kein Vorurteil gegen jüdische Schüler herrscht. Die Kinder müssen durch bescheidenes Betragen sich in den Schulen auszeichnen, dürfen nicht auffallen durch anspruchsvolles Wesen, durch zur Schau getragenen Reichtum. Durch das häßliche Gebaren von Einzelnen hat die Gesamtheit sonst zu leiden. An den Müttern ist es, ein kräftiges, abgehärtetes Geschlecht großzuziehen, das nicht krankt infolge einer zu weichlichen Erziehung; die übertriebenen Kosenamen z. B. müssen verschwinden. Bei der Wahl der Vornamen muß das natürliche Taktgefühl den Eltern verbieten, den Kindern einen solchen Namen zu geben, der im Widerspruch steht zu seinen Geschlechtsnamen und so eine Geschmacklosigkeit bedeutet. Mehr Straffheit und mehr Natürlichkeit, mehr Einfachheit in der Führung und Erziehung unserer Kinder könnte nichts schaden. Wer in der Kindheit nicht entbehren' gelernt hat, der wird sich im Leben schwerlich bescheiden lernen. Und wer hätte mehr Grund, als gerade wir Juden, unsere Kinder an das Entsagen zu gewöhnen? Wenn der reife Mann sich bei der Berufswahl bescheiden muß, wie soll er das ohne Bitterkeit tun können, wenn er sich nicht in der Kindheit schon im Entsagen geübt hätte? Wenn Eltern aber äußerer Vorteile wegen ihr Kind den Glauben seiner Väter ablegen lassen, so mögen sie wohl äußere Ehren dafür erkaufen, aber um welchen Preis? Diejenigen Eltern, welche glückliche Kinder erziehen wollen, werden für diese nicht hohe Stellungen als höchste Lebensgüter erträumen, sie werden ihre Kinder zu innerlich glücklichen, charaktervollen Menschen heranbilden, indem sie sie dadurch vor jeden: unüberlegten

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