Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / Weißberg, M.
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 653 (sequence 4)
- Language
- German
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Vereins na chrichten. 653 Besserung zu schassen habe. Erforderlich sei ferner, daß die Frauen sich über die Grundprobleme -des politischen Antisemitismus orientieren; deshalb würden, im Lause dieses Winters kleinere Vorträge und Diskussionsabende veranstaltet werden, die allen Mitgliedern zugänglich sein sollen. Als eine erste Aufgabe der jüdischen Frau müsse aber immer die Notwendigkeit betrachtet werden, den Verein materiell zu unterstützen, außerdem die persönliche Mitarbeit, die jede Frau leisten könne, wenn sie das ihr in bezug auf die antisemitische Bewegung begegnende Material sammle und dem Vorstande zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung stelle. Auf Ersuchen des Vorstandes übernahm hierauf Frau May zunächst die weitere Leitung der Versammlung und erteilte der Rednerin des Abends, Frau Toni Feist, das Wort zu einem Vorträge über „Jugenderziehung und modernes Juden tu m". In fesselnder Darstellung wurde in einem eineinhalbstündigen Vortrage folgendes ausgeführt: Mit dem Ausspruch Pestalozzis: „Ich lege die Erziehung der Menschheit in die Hände der Mutter" ist das wichtigste Arbeitsgebiet der Frau bezeichnet, ist ihrer Tätigkeit als Mutter die höchste Würdigung geschehen. Und gerade die jüdische Mutter kann ihre Pflichten nicht ernst genug nehmen. An ihr ist es, ihr Kind über seine Sonderstellung aufzuklären, ihm durch weise Führung über unausbleibliche Konflikte hinwegzuhelfen. Ihre Aufgabe ist es, ihr Kind schon früh an freiwillige Unterordnung, da wo sie von ihm verlangt werden muß, zu gewöhnen, und es davon abzuhalten, das Recht des Individuums allzu sehr zu betonen. Im Elternhause soll dem Kinde alles das geboten werden, was es zur Bildung seines sittlichen Charakters gebraucht. Hier wird der Grund gelegt zu seiner religiösen Erziehung. — In Vater und Mutter müssen die Kräfte vereinigt sein, die der Erziehung erst - zum rechten Erfolg verhelfen, die Autorität und die Liebe. Bei unfern Vorfahren, in den alten jüdischen. Familien, verkörperten die Eltern noch in Wahrheit diese beiden Eigenschaften, hier war die tiefe Ehrfurcht der Kinder vor den Eltern noch vorhanden, trotzdem unsere Vorfahren nur einfache Menschen waren, die ihre Bildung fast ausschließliche aus dein schöpften, was die religiösen Bücher ihnen'gabm.