Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Berlin
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 643 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 643 und der Devise: „Mit Gott für König und Vaterland." Und daran knüpfte die „Germania" nachstehende Charakteristik, die doch kein anderes Blatt als Bruhns „Wahrheit" im Auge hat: „Wenn man durch die Verkehrszentren Berlins wandert oder fährt, klingt es einem geradezu betäubend durch die „fliegenden" Zeitungshändler in die Ohren: Hier das Neueste, Allerneueste! Die Liebesaffäre auf dem ü-Platz. Ein Offizier erschossen! Eine Gräfin mit dem Chauffeur durchgebrannt! Laura, Liese und Lotte: oder die Sittlichkeit der Verkäuferinnen im Warenhause 2", und wie die sensationellen Artikelüberschriften sonst noch lauten mögen. Für zehn deutsche Reichspsennige kann nun ein jeder seine aufgepeitschte Neugier befriedigen, und der Wisch findet reißenden Absatz. Das Anzeigengeschäft blüht, denn die Anzeige wird von Geschäftsinhabern vielfach als Schweigegeld dargeboten. Das ist denn doch ein Parasitentum und ein Banditentum, dem man schließlich nicht mehr ruhig zuschauen kann. Die Schamlosigkeit, mit der es sich immer mehr verbreitet, wächst in dem Maße, in dem ein sensationslüsternes Publikum skandalhungrig darüber herfällt. Daß dadurch die Vergiftung des Volkslebens immer größere Dimensionen annimmt, versteht sich am Rande."-Besonders bemerkenswert aber ist es, daß auch das ehemalige Organ Bruhns, das ihm lange Zeit hindurch zur antisemitischen Vergiftung des Volkslebens diente, die „Staatsbürger-Zeitung", sich öffentlich mit folgenden Sätzen von ihm losgesagt hat: „Als S k a n d a l b l a t t schlimmster Sorte muß jedoch die von dem Reichstagsabgeordneten Wilhelm Bruhn herausgegebene „Wahrheit" bezeichnet werden. In diesem Blatte wurde ziemlich planmäßig das Privatleben reicher und hochgestellter Personen, dem öffentlichen Skandal preisgegeben. Davor behüten konnte man sich nur dadurch, daß man der „Wahrheit" durch Jnseratenaufträge etwas zu verdienen gab. Erfreulicherweise melden die Zeitungen, daß nun auch gegen den Verleger der „Wahrheit", den Reichstagsabgeordneten Bruhn, das Ermittlungsverfahren eingeleitet ist. Hoffentlich befreit der Eisenbahnminister endlich einmal die Bahnhofsliteratur von der Skandalpresse und Schundliteratur. Aber auch ein verdienstliches Werk würde es sein, wenn Herr Bruhn endlich einmal aus dem Reichstage verschwinden würde."