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Im deutschen Reich · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. 632

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-11-01
Page
632 (sequence 3)
Language
German
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632 Im deutschen Reich. Volke mehr und mehr verlieren, verschließen sich die antisemitischen Fraktionen ebensowenig wie ihre konservativen Gönner, denen sie sür ihren Schutz beständig Knechtsdienste geleistet haben. Nach der am 3. Oktober von dem „Deutschen Antrfenritenbunöe" abgehaltenen Feier seines 25 jährigen Bestehens schrieb der konservative „Reichsbote": „Während es einst in Berlin kaum Säle gab, die groß genug waren, um Versammlungen des D. A. B. aufzunehmen, wissen heute auch viele politisch gebildete Menschen in Berlin kaum, was die einst so zugkräftigen B u ch st ab en D. A. B. an den Anschlags sänken zu bedeuten haben. So war die gestrige Feier eigentlich auch mehr ein wehmütiger Rückblick in die bewegte Geschichte des radikalen Antisemitismus in Berlin, der in der letzten Zeit der Berliner Bewegung sich mit großem Ungestüm zeitweilig auch gegen den damaligen Abgeordneten Stöcker gewandt hatte." Der Vorsitzende, Lehrer Holtz, erzählte in der Eröffnungsansprache, daß von den 33 Gründern des Deutschen Antisem-itenbundes schon manche unterm Rasen ruhen, andere der Sache untreu geworden und nur zwei noch übrig geblieben seien, die Herren Riepling und Harlang. Dann fuhr er fort: „Mit hohem Enthusiasmus ist der D. A. B. einst gegründet worden; wenn man aber heute auf seine kleine Schar und die parlamentarische Vertretung des Antisemitismus sieht, so muß man freilich fragen: wo sind die Erfolge geblieben? Gewiß, der D. Ä. B. hat viele Kämpfer für die nationale Sache erzogen; aber die Macht Judas ist doch heute größer denn je." Auf denselben elegischen Ton war auch die Festrede des Or. Otto Böckel gestimmt, der mit Wehmut an die Zeiten erinnerte, in der die Wogen des Antisemitismus hoch gingen, die beiden Säle der Bockbrauerei für eine Versammlung nicht ausreichten und man den Hauch von 1870 noch in Berlin spürte, als es eine Lust war, zu leben. Daß die Antisemiten auf ihren Lorbeeren ausruhten, habe zu einem Rückgänge geführt. Es sei kein Wunder gewesen, daß der Antisemitismus abflaute; wenn alles Kleinliche aus dem Herzen schwinde, müsse es aber wieder aufwärts gehen. Herr Rechtsanwalt Ulrich, der namens des „Ber-

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