Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 631 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 631 ist auch die Hoffnung auf Heilung berechtigt, und um so mehr, wenn sie durch eine gesunde Natur, wie die des deutschen Volkes, erleichtert wird. Wer in dem Antisemitismus eine schwere Volkskrankhert erkennt, der wird sich der erfreulichen Wahrnehmung nicht verschließen, daß sich jetzt langsam aber beständig in Deutschland dadurch ein Gesundungsprozeß vollzieht, daß die Erkrankten selbst mehr und mehr zur Erkenntnis ihres Leidens gelangen. Diese Erkenntnis ist mit einer wirtschaftlichen Krisis und einer besonders für den Mittelstand bedenklichen Erschwerung der Steuerlasten teuer erkauft worden. Aber die Errungenschaft ist so wertvoll, daß die Leiden der Uebergangsperiode vergessen sein werden, wenn das deutsche Bürgertum neugekräftigt dastehen , wird, fest geeint zum Schutze der in der Zeit des Völkerfrühlings errungenen bürgerlichen, zum Schutze einer Pflichten und Rechte gleichmäßig verteilenden Staats- und Gesellschaftsordnung, sowie zur Abwehr gegen mittelalterliche Vorurteile und reaktionäre Bestrebungen der Dunkelmänner. Die Mehrheit des deutschen Volkes beginnt von Tag zu Tag die Männer besser kennen zu lernen, die sich als Volksbeglücker und Sittenprediger aufspielten, die mit ihrer Beschützung des Mittelstandes und der arbeitenden Bevölkerung gegen angebliche jüdische Ausbeutung prahlten, aber selbst ihren zeitweiligen parlamentarischen Einfluß dazu benutzten, die den Mittelstand bedrückenden Steuerlasten noch zu vermehren und die dem Arbeiter zugewandten Segnungen der Sozialreformen und Lohnerhöhungen durch Verteuerung aller Lebensbedürfnisse zu vernichten. Mit Popanz und Köder sind weite Volkskreise lange genug genarrt worden; sie werden sich nicht weiterhin vorschwindeln lassen, daß durch Verfassungstreue, gleiches Recht für Alle und eine freigewählte, gesinnungstüchtige Volksvertretung nur, wie die antisemitischen Volksredner sich auszudrücken pflegen, „die Macht Judas größer dennjewerd e". Vielmehr werden sie der Ueberzeugung leben, daß nur dadurch die allgemeine Volks- Wohlfahrt gedeihen kann — denn eine Freiheit macht uns alle frei! Der Wahrnehmung, daß sie den Boden im deutschen