Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Dritte Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 628 (sequence 3)
- Language
- German
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628 Im deutschen Reich. Unduldsamkeit frei gewesen sei. Dieses und seinen Christenstandpunkt zu betonen, sei ihm Bedürfnis gewesen. Trotzdem wünsche er den Verhandlungen einen guten Verlauf. — Ferner waren noch erschienen ein Regierungsrat als Vertreter des Regierungspräsidenten in Breslau, sowie ein Regierungsassessor. In einem zweiten Vorträge behandelte Herr Justizrat Breslauer- Berlin das Thema: „Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen" und führte in äußerst interessanter, durch reiches statistisches Material belegter Weise aus, zu welchem Umfange die Abwanderung angeschwollen ist und wie durch geeignete Maßnahmen seitens der Regierung der nicht nur für die jüdischen Deutschen, sondern auch für das gesamte deutsche Vaterland so gefährlichen Abwanderung Eintrag geschehen könne. Leider müssen wir uns infolge Mangels an Raum versagen, an dieser Stelle auf den hochinteressanten und wissenschaftlich äußerst wertvollen Vortrag näher einzugehen, können aber unfern Lesern, die sich für die Angelegenheit interessieren, nur empfehlen, sich die Denkschrift des Justizrats Breslauer „Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen. Berlin 1909", vom Bureau. des Verbandes der Deutschen Juden, Potsdamer Straße 45, zu besorgen. Nur ein eingehendes Studium dieser Denkschrift vermag ein der Wichtigkeit der Angelegenheit entsprechendes Bild und die erforderliche Belehrung zu bieten. Den letzten Bortrag hielt Herr Landtagsäbgeordneter Justizrat Wolff-Lissa über das Thema: „Die Juden der Ostmarken — was haben sie dem preußischen Staat und was hat er ihnen geleistet?" Redner wies zunächst auf die Bedeutung des Nationalitätenkampfes im deutschen Osten hin. Der Kampf werde immer verbitterter, die Kriegskosten trügen aber in erster Reihe die Juden der Ostmarken. Die Polen griffen die Juden vor allem wegen ihrer wirtschaftlichen Stellung an, die ihre Expnnsionsgelüste erschwerten. Die Maßregeln der Regierung schwächten die Position der Juden und machten vielfach die Existenz des deutsch-jüdischen Elements unmöglich. Jeden Platz, den ein Jude räume, nehme ein Pole ein. Der deutsche Christ sei ohne den Beistand des deutschen Juden im Osten nicht konkurrenzfähig. Der Jude habe in jenen Gegenden von jeher der deutschen Nationalität