Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Dritte Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 627 (sequence 2)
- Language
- German
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Dritte Hauptversam m tunq des Verbandes der Deutschen Juden. 627 Justizrat Dr. Hör w i tz - Berlin geleitet worden ist. Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß der Verband in einer großen Reihe von verschiedenen Gebieten, ganz besonders in Naturalisations-, Schul-, Gemeinde- und Schächtangelegenheiten fruchtbar und segensreich gewirkt hat. Der erste Redner des Berbandstages, Rabbiner vr. Guttmann- Breslau, behandelte das Thema: „Die Idee der Versöhnung im Judentum" in klarer und packender Weise. Er führte aus, der Versöhnungsgedanke des Judentums gründe sich auf den Glauben an die Liebe Gottes. Weil Gott ein Gott der Liebe sei, habe er den Menschen in seinem Ebenbilde erschaffen und mit der Anlage und Fähigkeit ausgestattet, sich fortschreitend immer mehr und mehr zu einem Ebenbilde Gottes heranzubilden. Das Judentum kenne keine Gebundenheit des Willens, wie sie sich mit unentrinnbarer Konsequenz aus der Lehre von der Erbsünde ergebe. Der Jude trete in das Leben ein in der völligen Reinheit und der Ursprünglichkeit seines Gott entsprungenen Wesens. Der Versöhnungsgedanke des Judentums vollziehe sich in uns durch die Erneuerung des sittlichen Ideals, das dieser menschlichen Bestimmung entspreche. Weil Gott heilig sei, darum soll der Mensch danach trachten, heilig zu werden, damit das Ebenbild Gottes in ihm zu immer höherer Entfaltung und Verwirklichung gelange. Jeder'Mensch müsse und könne nach der Lehre des Judentums sein eigener Erlöser sein. Der Jude bedürfe keines Mittlers, keines irdischen und überirdischen, um zur Versöhnung mit Gott zu gelangen. Nicht der Messias erlöse die Menschheit von der Sünde, sondern der Messias sei gekommen, wenn die Menschheit durch Erkenntnis von der Sünde sich befreit habe. Während des Vortrages war der Oberpräsident von Schlesien, Graf Z e d l i tz - T r ü tz s ch l e r, erschienen. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden erklärte der Oberpräsident in einer kurzen Ansprache, ihn müßten als Beamten besonders die über die Ostmarkenfrage in Aussicht gestellten Vorträge interessieren. Als Mensch sei er in erster Linie Christ, und zwar sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments, und gegenüber manchen Ausführungen des ersten Vortrages müsse er seinen abweichenden christlichen Standpunkt wahren. Das sage er, obwohl man wisse, daß er stets von konfessioneller