Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Namensänderungen
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 625 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Namensänderungen. 625 heute noch ruhig weiter führt, genau so wie mehrere hochgeachtete jüdische Familien in Süddeutschland. Auch in Sachsen ist von christlichen Familien, die aus der derben Vorzeit wenig anmutige Namen überkommen haben, noch niemals daran Anstoß genommen worden,, sondern sie bekannten sich zu der vernünftigen Ansicht, daß es garnicht darauf ankommt, welchen Namen man führt, sondern wie man ihn führt. So gab es in Dresden in der Jugendzeit des Verfassers dieser Zeilen einen höheren Zeughausbeamten, dem Antisemitismus nicht nachgegesagt werden konnte, trotzdem er v. Hüllessem-J u d e - feind hieß, und gibt es dort heute noch mehrere wackere und geachtete Handwerksmeister, die den Familiennamen „Mörder" u. a. m. beibehalten. In Herrnhut und Umgegend führen die angesehensten Mitglieder der bekanntlich strengchristlichen Herrnhuter Gemeinde alttestamentliche Namen, die „Abraham", „Israel", „Schmuhl", und bei den Frauen sind genau so wie bei den vornehmsten christlichen Familien Englands die Namen „Sara" und „Hannah" geläufig. In dieser Beziehung können unsere Glaubensgenossen zuweilen auch noch von Leuten lernen, die keine Judenfreunde sind; denn es würde ihnen immer noch besser anstehen, wenn sie ihr Töchterchen „Sara" oder „Hannah" nennen, statt Thusnelda oder Brunhilde. Die Annahme, daß durch arische Vornamen die gesellschaftliche Trennung gemildert wird, die man jetzt vielfach zu beklagen hat, trifft nur in sehr beschränktem Maße zu. Etwas ganz anderes ist es, wenn Juden die Ablegung von häßlichen Familiennamen erstreben, die nicht alttestamentlichen Charakters, sondern ihren Großvätern vor vielen Jahrzehnten von wenig judenfreundlichen Beamten aus Hohn und Spott aufgedrungen worden sind. Das dürfte jedoch in Deutschland nicht der Fall gewesen sein; die an die widerwärtigsten Dinge erinnernden Familiennamen einzelner Juden sind, wie Karl Emil Franzos vielfach betont hat, auf Willkürakte österreichischer Beamten znrückzuführen, die dadurch an galizischen Juden ihren Uebermut ausgeübt haben. Es ist herzlich zu wünschen, daß solchen zum Teil jetzt in Deutschland naturalisierten Juden die Möglichkeit geboten werde, u n ä ft h e t i s ch e Namen abzulegen, die