Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Namensänderungen
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 624 (sequence 4)
- Language
- German
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624 Im deutschen Reich. ringeren Schaden erlitten als das Judentum. Müssen auch die Voraussetzungen des in dem antisemitischen Organ des „Bundes der Landwirte" veröffentlichten Artikel als richtig anerkannt werden, so ist doch die Tendenz der betreffenden Ausführungen von jener Gehässigkeit gegen die Juden durchtränkt, hie der „Deutschen Tageszeitung" nun einmal eigen ist. Sie sagt selbst, daß den jüdischen Trägern der aufgegebenen Namen oft Unbequemlichkeiten durch deren Führung entstanden sind, hütet sich aber zu bekennen, daß daran doch nur die widerlichen Vorurteile ihrer liebsten Klienten die Schuld tragen. Und wie bemäntelt sie diesen Mißstand? Sie bemerkt: „Man mag zu Rassenfragen stehen wie man will, — der Rassen st and- Punkt spielt gottlob noch heute in der Anschauungsweise weide r Kreise eine Rolle, und es sind das durchaus nicht nur Fanatiker oder gesellschaftlich nicht in Betracht kommende Elemente, wie uns das eine rassenfremd beeinflußte Presse und rassenfremd bewußt oder unbewußt beeinflußte Theoretiker immer wieder glauben machen wollen —, sondern gerade eben die besonnensten, die am ungekünsteltsten denkenden Volkskreise". Daß es gerade die besonnensten Volkskreise sein sollen, die den Rassenhaß nicht verleugnen können, ist doch wohl eine mehr als gewagte, nahezu komische Behauptung. — risnm teneatis’ Uebrigens muß das Blatt selbst zugeben, daß es Fälle gibt, in denen ein Gesuch um Erlaubnis zur Namensveränderung eine Berechtigung hat, z. B. wenn es sich um Namen handelt, die dem derberen Geiste der Vorzeit entsprangen und mit gesitteteren, unserer heutigen Anschauungs¬ und Denkweise mehr entsprechenden Namen zu vertauschen sein würden. Die „Deutsche Tageszeitung" sagt: „Man las vor einiger Zeit in den Zeitungen, daß ein Herr Ochse um die Verleihung eines anderen Namens eingekommen wäre, weil er seinen Kindern die Hänseleien ersparen wollte, die er zeitlebens habe erdulden müssen. Seinem Wunsche zu willfahren, dürfte man füglich Bedenken nichü gehabt haben". Aber gerade diese Bemerkung erinnert an die Tatsache, daß ein sehr geachteter christlicher Hofschauspieler, der auf dem Theaterzettel den Namen „Ernst" führte, im Privatleben den Namen „Ochs" beibehielt und seine Familie ihn ebenso