Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Namensänderungen
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 626 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316789-2342387--19654-2342451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
626 Im deutschen Reich. den Spott herausfordern. Dagegen kann ein charaktervoller Jude kaum ernstlich wünschen, sich Schulze oder Müller nennen zu dürfen, um nicht als Jude erkannt zu werden. Dadurch wird er zuweilen nur in die mißliche Lage kommen, entweder verletzende Reden über Juden und Judentum charakterlos schweigend anzuhören oder sich nachträglich als Jude zu bekennen und dann ohne Not ernste Mißstimmung zu erregen. Mancher jüdische „Schulze" oder „Müller" wird vielleicht auch eine begehrenswerte Stellung erlangen, um sie wieder einzubüßen, wenn er an hohen jüdischen Feiertagen sich dazu gedrungen fühlt, einen Urlaub zu verlangen. GabrielRießer hat seinerzeit in dankenswerter Weise dagegen geeifert, daß Juden, wenn sie nach ihrer Religion gefragt wurden, sich „Israeliten" nannten oder ihre Konfession lediglich als „mosaisch" bezeichneten, statt sich einfach „Jude" zu nennen. Wir brauchen uns wahrlich weder des Namens „Jude" noch jüdischer Vor- und Familiennamen zu schämen; an uns ist es vielmehr, diesem Namen Ehre zu machen, und das können wir, wenn wir im besten Sinne des Worts danach streben, uns als echte und rechte „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens" zu erweisen. Der ehrenhafte deutsche Staatsbürger christlichen Glaubens wird stets vor dem Juden, der sich offen zu seiner Religion bekennt und seine Abstammung in keiner Weise verleugnet, mehr Achtung bekunden als vordem, der durch eine Namensänderung etwas zu scheinen sucht, was er nicht ist. Ein solches Versteckensspiel haben wir, bevor die „Deutsche Tageszeitung" aus antisemitischen Beweggründen dagegen eiferte, aus tiefster Abneigung vor Charakterlosigkeit und Abtrünnigkeit verworfen! A. L. Dritte Kauptverfamuttung des Weröandes der Deutschen Juden. Am 17. Oktober fand in Breslau die dritte Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Inden statt, welche von über 400 Delegierten der jüdischen Gemeinden und Korporationen beschickt und von dem Vorsitzenden des Verbandes