Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Namensänderungen
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 623 (sequence 3)
- Language
- German
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Namens änderun g en. 623 Juden teuren Familien-Ueberlieferungen. In vielen Fällen ist der Namenswechsel auch wirklich nur der erste Schritt zur Entfremdung gewesen, dem der zweite, der Uebertritt, nach kurzer Frist folgte, oder es wurde die von den Behörden nur ungern bewilligte Erlaubnis zum Namenswechsel nur als Entgelt für den Uebertritt nachträglich gewährt. Gewünscht wird sie wahrscheinlich von den Nachsuchenden zumeist, um solchen mit Recht oder Unrecht befürchteten Zurücksetzungen zu entgehen, vor denen ein charaktervoller Mann sich nicht fürchtet oder die er im Bewußtsein seines Wertes mißachtet. Eine männlichere Gesinnung erwartet man jedoch von einem echten deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens! Deshalb können w i r es nur willkommen heißen, wenn die Behörden bei Gesuchen um die Erlaubnis des Namenwechsels es den Juden erschweren, sich der ehrenvollen alt- Lestamentlichen Namen zu entäußern. Die „Deutsche Tageszeitung" hat in ihrer Sonntagsbeilage vom 26. September d. Js. in einem „Vom deutschen NamensrechLe" überschriebenen Artikel eine ähnliche Forderung ausgestellt und dabei bitter beklagt, daß in einer Reihe von Füllen einzelnen Juden der Namenswechsel gestattet worden sei, trotzdem ein Erlaß des Ministers des Innern an die Regierungspräsidenten aus dem Jahre 1894 (abgedruckt in „Der Standesbeamte", 1894, Seite 86) ausdrücklich bestimmt hat, „daß nur bei hinreichenden Gründen derartigen Anträgen stattgegeben werden solle, und daß als hinreichende Gründe leichteres Fortkommen oder Rücksicht auf die antisemitische Bewegung bei einem die jüdische Abstammung kennzeichnenden Namen nicht ausreiche n." Trotz dieses Erlasses seien zahlreiche Fälle anderer Handhabung bekannt geworden. Aus Levi sei Lehnhardt, aus Salomon Salmann, Arendt und Arndt aus Aaron, LDlrronge aus Aaronsohn, Brahm aus Abraham, Lasson aus Lazarussohn, Jsay aus Jsaacsohn, Desson aus Dessauer entstanden. Der Name Schlössing sei aus Schlesinger, Konried, Kühne Kühn, Könitz aus Cohn, Frensdorfs aus Friedländer geworden. Das hat seine Richtigkeit, aber es haben die von der „Deutschen Tageszeitung" deshalb bemitleideten christlichen Namensvettern der neubenannten Juden davon sicher ge-