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Im deutschen Reich · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. 622

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
Namensänderungen
Date
1909-11-01
Page
622 (sequence 2)
Language
German
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Im deutschen Reich. 622 Nicht minder aber dürfen wir uns mit Stolz als Epigonen jener zahllosen Märtyrer betrachten, die einst die Glaubenstreue mit ihrem Blute besiegelten. Dieses Blut ist zum festen Mörtel für das Judentum geworden, das trotz aller Angriffe Jahrtausende überdauert und stolze Völker überlebt hat, die einst zu seinen Bedrückern zählten. Diese wunderbare Lebenskraft hat man feit langer Zeit darauf zurückgeführt, daß die Juden in ihrer großen Mehrheit sich selbst treu geblieben sind, für jeden Kulturfortschritt zu haben waren, aber ihre uralte Sprache wie ihre Vätersitte weiter pflegten — und and) -a n ihren Namen f e st h i e l t e n. Nicht immer und nicht überall ist dies zwar der Fall gewesen, aber wo zuweilen diese Pietät mangelte, wo Juden durch Verheimlichung ihrer Abstammung oder auch nur durch das Vertauschen der bisher mit Stolz geführten alttestamentlichen Namen mit germanischen Vornamen ihr Judentum zu verleugnen suchten, gereichte dies ihnen zum Unsegen. In einzelnen noch vorhandenen alten „Memorbüchern", in denen die Namen unzähliger Opfer des mittelalterlichen Fanatismus verzeichnet sind, finden sich Vornamen, die mehr an die Edda und das Nibelungenlied als an das Alte Testament erinnern, die aber ihren Trägern dennoch reinen Schutz gegen erbarmungslose Judenfeinde geboten haben. Diese unglückliche Vogel-Strauß-Politik, die den Juden niemals Nutzen gebracht hat, verlor sich aber bald wieder, so daß die Glaubensfestigkeit und Mannestreue der Juden sich unter den traurigsten Verhältnissen bekunden konnten. Als dann die freiheitlichere Zeit herannahte, in der man sie zu Bürgern machte und die Gewohnheit der Juden abgestreift werden mußte, sich nur mit dem eigenen Vornamen und dem des Vaters in die Gemeindelisten eintragen zu lassen, haben die Behörden oft ihnen statt der alttestamentlichen Namen Ortsnamen und Namen der Handwerke aufgezwungen und fast nur den Juden, die durch ihre Namen die Abstammung von Priestern und Leviten oder von berühmten jüdischen Gelehrten gern auch ferner Nachweisen wollten, diese Vergünstigung zugestanden. Der Namensveränderung hing bei den Juden zu allen Zeiten ein gewisses Odium an; sie galt beinahe schon wie die .Taufe als Lossagung von der Gemeinschaft mit den anderen Glaubensgenossen, besonders aber als eine solche von den allen

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