Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Blütenlese
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 614 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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614 Im deutschen Reich. bürger-Zeitung" und eine ganze Reihe ähnlicher Blätter verschmähen es nicht, das Judengeld anzunehmen und ihre Spalten für diejenigen zur Reklame herzugeben, welche sie im redaktionellen Teil beschimpfen. Nimmt es sich z. B. nicht merkwürdig aus, wenn in ihrer Nummer vom 3. September 1909 die „Staatsbürger-Zeitung" aus Seite 1 sagt: „Auf diese Weise ist ihm, dem Juden, der Arier mit Haut und Haar ausgeliefert, weil stets das Unkraut den Weizen überwuchert und der Räuber dem friedlichen Wanderer überlegen ist" und auf der letzten Seite eine große Annonce des Herrn Wolf Wertheim zu finden ist? Es ist vorgekommen, daß wir Juden, und nux um solche kann' es sich handeln, wenn sie, offenbar in Unkenntnis der Tendenz der „Staatsbürger-Zeitung", in dieser inseriert haben, darauf hingewiesen haben, wie unwürdig es ist, Leute mit Jnseratenaufträgen zu unterstützen, die im redaktionellen Teil nichts wie Schimpf und Schande mit Beziehung auf die jüdischen Geschäftsleute zu verbreiten suchen. Von irgendwelchen Drohungen oder überhaupt von irgendwelchem Vorgehen in dem oon der „Staatsbürger-Zeitung" angegebenen Sinne war niemals die Rede und konnte nie die Rede sein. Das ist also die „hinterlistige, allen Regeln des Anstandes Hohn sprechende Handlungsweise unsererseits", die von der „Staatsbürger-Zeitung" öffentlich festgenagelt wird. Was sie uns zum Vorwurf macht, ist unwahr, was wir ihr aber zum Vorwurf machen, nämlich Verleumdung und Gesinnungslosigkeit, welch letztere gewiß darin zu finden ist, wenn man von Geschäftsleuten, die man beschimpft, auf der anderen Seite Geld nimmt, ist jederzeit beweisbar. Nur möchten wir noch gern eines wissen: Weshalb widmet uns die „Staatsbürger- Zeitung" einen Artikel, dessen Umfang über eine Spalte großen Formates einnimmt, wenn wir, wie es weiter heißt, „ganz ohne Bedeutung sind, die große Masse des Judentums absolut gar keine Notiz von uns nimmt und unser Blättchen lediglich von einigen Antisemiten als Witzblatt gehalten wird". Interessant ist bei dieser Feststellung, daß die „Staatsbürger- Zeitung" ihre Leser doch darauf hinzuweisen für nötig erachtet, die große Masse des Judentums nehme von uns keine Notiz.' Sie läßt damit durchblicken, daß sie es für recht