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Im deutschen Reich · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. 613

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
Blütenlese
Date
1909-11-01
Page
613 (sequence 5)
Language
German
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Blutenlese. 613 doch öffentlich festnageln, wie weit eine Zeitung heruntergekommen sein muß, welche ihren Lesern folgendes auftischt: „Wenn nämlich in unserm Blatt ein neuer Jnseratenkunde auftauchte, so erhielt der betreffende Firmeninhaber zunächst ein Schreiben des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit der Ansvage, ob er, der Inserent,' C h r i st oder Jude sei, oder ob er, ein Mitglied seiner Familie zum Christentum - ü b e r z u t r e t e n gedenke, falls er etwa jetzt noch jüdischen Glaubens wäre'). Ließ sich der betreffende Inserent nun einschüchtern und war unvorsichtig genug, auf ein derartiges zudringliches Schreiben überhaupt eine Antwort zu geben, so erfolgten bald weitere Episteln, in denen den Inserenten die Tendenz unseres Blattes eingehend klargelegt wurde, mit der Drohung, daß die Mitglieder jüdischer Logen, Vereine und dergleichen in Zukunft das b et r. G e s ch ä f t m eid en würden. Auf diese Art ist es wiederholt gelungen, uns Jnseratenkunden abspenstig zu machen!" Soviel Behauptungen, soviel Unwahrh e it e n. Für ganz so dumm sollte uns doch auch die „Staatsbürger-Zeitung" nicht halten. Denn was hätte es denn für einen Zweck, wenn wir in diesem Zusammenhänge jemanden anfragen würden, ob er zum Christentum überzutreten gedächte? Und doch ist das eine richtig, daß wir der „Staatsbürger-Zeitung" eine ganze Reihe von Jnseratenkunden abspenstig gemacht haben, aber weder mit Drohungen, noch mit den behaupteten Anfragen. Wir wollen das Geheimnis verraten: Auf der ersten Seite der „Staatsbürger- Zeitung" finden sich vielfach Artikel, welche auf die „jüdischen" Warenhäuser, ans „.jüdische" Geschäftspraktiken als auf die Krebsschäden unserer Zeit Hinweisen und nicht genug nach Unterdrückung des „jüdischen Warenhauses" schreien können. Zur Weihnachtszeit wird empfohlen, nicht bei Juden zu kaufen. Auf der letzten Seite der „.Staatsbürger-Zeitung" fanden sich aber vielfach große Annoneen jüdischer Firmen und namentlich solche jüdischer Warenhäuser. Die „Staats- Die von uns in diesem Aufsatz gesperrt gedruckten Stellen sind sämtlich im Original ebenfalls gesperrt gedruckt.

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