Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 576 (sequence 11)
- Language
- German
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576 Im deutschen Reich. Il-f - i'. - ■ verschiedenen Nationalitäten hindert, durch beständige innere Kämpfe den vollständigen Zerfall herbeizuführen. Das Münchener Antisemitenblatt, „Bayerisches Vaterland", sagte kürzlich mit Recht: „Unser Nachbarland Oesterreich krankt eben an einem bösartigen Leiden, das dessen ganzen inneren Organismus von Grund aus zerfrißt und seine Aktionsfähigkeit lähmt. Es ist der N a t i o n a l i t ä t e n st r e i t, auf den alle die schweren Krankheitserscheinungen am österreichischen Staatskörper zurückzuführen sind. Da sich die Czechen in der Verwaltung zurückgesetzt glaubten, traten sie in die Opposition. Ihnen schlossen sich die Slovenen und bald darauf auch die Sozialdemokraten an, während die Deutschen einschließlich der Christlichsozialen und die Polen in der Hauptsache die Regierungsmehrheit bilden. Diese ist aber durchaus keine sichere, da ein Teil des Polenklubs, nämlich die Volkspartei des Abg. Stapinski, eine recht zweifelhafte Haltung einnimmt." Das Antisemitenblatt erkennt das Uebel, aber das Heilmittel, das es vorschlägt, Schonung der ezechischen Roheiten und Zusammenschluß der deutschen Fraktionen unter Ausschluß der Juden, würde die Krisis nur beschleunigen. In einer Wiener Korrespondenz des Berliner Tageblattes tadelte auch Dr. Paul Harms mit scharfen Worten die Selbstzerfleischung des Germanentums in Oesterreich; er fügte aber hinzu: „Nur die Verwirrung voll zu machen, schlug das hochgespannte d eu t s ch e Na ti o n al g e fü hl st ell en w eis e in ödeste Antisemit er eium. Der Jude ist überall geneigt, mit der höheren Kultur zu gehen. Die deutsch-österreichischen Juden waren nicht nur geneigt, mitzugehen, sondern auch Opfer zu bringen; ihnen das künstlich zu verekeln, war die reine Verrücktheit und hat dem Deutschtum an mehr als einem Punkte schwer geschadet." Aber Harms warnt auch vor jeder weiteren Verschärfung des Nationalitätenhaders und meint: „Es ist scholl kein bloßer Fehler mehr, es ist geradezu ein Verbrechen gegen den österreichischen Staatsgedanken gewesen, daß man Mißtrauen, Verbitterung und Haß sich so tief konnte einfressen lassen zwischen zwei Völkern, die im gleichen Hause miteinander leben und dem gleichen Staatszweck ihre Arbeitskraft widmen sollten." Den Antisemiten, die in den Wiener Bezirksvertretungen die Oberhand haben, ist aber der Anhang des von ihnen hochgebrachten Bürgermeisters Lueger viel zu