Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 577 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 577 lau gegenüber der ezechischeu Wühlerei in Wien und Niederösterreich. Wie man in den ländlichen österreichischen Kreisen denkt, das geht aus einer Aeußerung der „Allg. Bauern-Ztg." in Klagenfurt hervor, die in bitteren Worten den Christlich- Sozialen vorwirft, dazu beizutragen, den kaum zu ertragenden Steuerndruck durch Unterstützung der Bilinskischen Steuerpläne noch zu vermehren. Auch die Anordnung des Bezirkshauptmanns, eine bei dem Geburtstage des österreichischen Kaisers von einem reichsdeutschen Arzte in K i tz b ü h e l gehißte schwarzweißrote Fahne zu entfernen, weil Erzherzog Franz Ferdinand, der sich z. Z. bei dem in der Nähe wohnenden Ministerpräsidenten aufhalte, daran Anstoß nehmen könne, und die deshalb dem Bezirkshauptmann gebrachte Katzenmusik haben gezeigt, daß die Verwirrung in Oesterreich gerade dort, wo rvie z. B. in dem durchweg antisemitischen Kitzbühel die deutschtümelnden Antisemiten sich mit den christlich-sozialen Judenfeinden in den Haaren liegen, der Unfrieden am schlimmsten wütet und die Ohnmacht der Verwaltung sich arn bedenklichsten offenbart. Wie sehr die Rückständigkeit in der Behandlung der Judenfrage staatliche Maßnahmen verwirrt und die Gesundung der wirtschat'lfichen Verhältnisse vereitelt, zeigt sich beständig in Einem erst kürzlich veröffentlichten Bericht über eine im Juli stattgehabte Ministerberatung war zu entnehmen, daß der Premierminister Stolhpin zwar eine wohlwollende Auslegung des Aufenthaltsrechts der jüdischen Kaufleute in Moskau empfahl, aber mit Rücksicht auf die Interessen des allgemeinen Kaufmannsstandes wünschte, daß man sich dabei in den Grenzen der Möglichkeit halten solle. Mit anderen Worten heißt das doch, daß die Minister dabei den Wünschen des Zaren und den Rücksichten auf die noch immer mächtigen Schwarzen Hundert Rechnung tragen möchten. Dagegen machten der Finanzminister Kokowzew und der Handelsminister Timiriasew geltend, daß Ausweisung einer ganzen Gruppe von Juden aus Moskau viele ausländische Firmen, die ihnen Kredite gewährten, ruinieren, deshalb heftige Angriffe gegen die russische Regierung Hervorrufen und ihr die Aufnahme einer auswärtigen Anleihe im Bedarfsfälle sehr erschweren würde.