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Im deutschen Reich · 1909-10-01 · Heft 10 (Oktober 1909) · p. 575

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 10 (Oktober 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-10-01
Page
575 (sequence 10)
Language
German
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Umschau. 575 E x i st e n z e n. In der Regel kommen sie ohne eigene Mittel in die Ostmark. Die Regierung unterstützt sie mit Geldern ans Fonds, die ihr zur Verfügung stehen. Daß ein derartiges Bürgertum aber ein gesundes und kräftiges ist, wird selbst der eingefleischteste HakaList nicht zu behaupten wagen. Auch das preußische Beamtentum, soweit es nicht etwa schon jahrelang im Osten ansässig und mit Land und Leuten genau vertraut ist, kann nicht als ein zur Hebung des Deutschtums besonders geeignetes Element angesehen werden. Der deutsche Beamte im Osten fühlt sich zwar als Träger der gegen die Polen gerichteten Aktion und nimmt auch in scharfer Weise gegen jene Stellung, aber in die deutsche Bürgerschaft trägt er einen dort f r ü her nicht g e k a n n t e n K a st e n g e i st hinein. Vernichtung des freien Handels, Ausschaltung der Selbstverwaltung, Zersetzung des Bürgertums auf der einen Seite, künstliche Neupflanznngen, Uebermacht des Beamtentums, Verschärfung des Nationalitätenkampfcs auf der anderen Seite, das sind die Resultate, die die preußische Polenpolitik für die Städte des Ostens gezeitigt hat/" Fürst Bülow hat kurz vor seinem Rücktritt erklärt, daß er die O st m a r k e n f r a g e für die wichtigste Frage des p r e u ß i s ch e n S t a a t e s halte; sein Nachfolger hat sich inzwischen in ähnlichem Sinne geäußert. Die ihm dadurch obliegende Aufgabe wird sich aber nur dann in befriedigender Weise lösen lassen, wenn dabei auch die „Judenfrage"" in vorurteilsfreier Weise in Betracht gezogen wird. Wo man sich dieser Notwendigkeit verschließt, wird man nie aus dem politischen Labyrinth einen Ausweg finden. Nur der Staatsmann, der die Gleichberechtigung der Juden als eine logische Folge der Erklärung der Menschenrechte zu betrachten versteht und nicht als ein Geschenk wohlwollender Gönner, wird auch Mittel und Wege finden, eine gesunde und nationale Politik zu' treiben. Das Deutsche Reich soll und muß vor Zuständen bewahrt bleiben, wie sie im wesentlichen durch antisemitisch verblendete Staatsmänner in der öfter reich--ungarischen Monarchie herbeigeführt worden sind, in der anscheinend nur noch der Respekt vor der Person des vielgeprüften greisen Kaisers die

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