Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 570 (sequence 5)
- Language
- German
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570 Im beutfdjen Reich. genehme Erfahrungen mit Inden, sondern ans die Lektüre konservativer und agrarischer Parteiorgane zurückzusühren, die diese Tonart ihrem Leserkreise geläufig machen. Bielleicht erklären sich auch dadurch die Worte des Herrn Pastor Simon in Bornstedt, der bei der -Verhandlung über die Kosten der Beerdigung eines im Josess-Krankenhause in Potsdam verstorbenen Mädchens zu den armen protestantischen Angehörigen sagte, er sei kein Jude und betreibe weder Abzahlungsnoch Ratengeschäfte. Ist es wirklich nur Geschmacklosigkeit, wenn ein Seelsorger so zu trauernden Verwandten spricht? Die antisemitische Haltung der „Kreuzzeitung", die sich von der der „Staatsbürgerzeituug" schon lange Zeit wenig unterscheidet, ließ die Mitteilung der ebenfalls dieser Richtung zuneigenden „Täglichen Rundschau" glaubhaft erscheinen, daß die beiden Stöckerblütter vom Oktober ab in der Druckerei der „Kreuzzeitung" hergestellt würden und Herr R. Kaven, der in einem Werbeschreiben für die Geschäfts st eile der zu reorganisierenden „Staatsburgerzeitung" verantwortlich zeichnete, auch Geschäftsführer der „Kreuzzeitung" sei. Die „Staatsbürgerzeituug" hat, veranlaßt durch eine für sie wenig schmeichelhafte Besprechung dieser „Fusion" in der antisemitischen Magdeburger „Sachsenschau", am 7. September in einer Brieskastennotiz versichert, es sei „glatt erlogen, daß die „Staatsbürgerzeitung" mit der „Kreuzzeitung" in irgendwelcher Verbindung steht und in der „Kreuzzeitung" hergestellt werden soll". Die Mitteilung anderer Blätter, daß der antisemitische Charakter des Blattes künftig beseitigt werden solle, in Abrede zu stellen, hat sie nicht für nötig gehalten, da sie einen anderen Weg für gangbar hielt, sich von diesem Verdacht zu reinigen, der ihr den Rest ihrer durch spaltentange Warenhaus-Inserate mißtrauisch gemachten -antisemitischen Leser zu rauben drohte. Sie übertrumpfte den Antisemitismus der „Kreuzzeitung"' und der „Deutschen Tageszeitung" durch den Abdruck eines dem Fritschscken „Handbuch zur Judenfrage" entnommen, „Jüdische Eide" überschriebenen Artikels, in dem das in Synagogen am Vorabend des Versöhnungsfestes zum Vortrag gelangende uralte