Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 571 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 571 Ltol-Aröre-GebeL auf Grund einer durch eine tendenziöse Weglassung gefälschten Uebersetzung zum Gegenstand einer gehässigen Besprechung gemacht und schlankweg behauptet wurde: „Der Jude kann vor Gericht einen Meineid schwören, seine religiöse Ueberzeugung erlaubt es ihm! Er darf die Wahrheit zur Lüge stempeln und seine Mitmenschen ins Unglück stürzen — seine religiöse Ueberzeugung erstickt das in seinen! Innern sich etwa regende moralische ©eluiffen!" Es kann der „Staatsbürgerzeitung" nicht unbekannt sein, daß das zur Heiligung des Eides mahnende „Kol-Nidre-Gebet" mittels einer absichtlichen Weglassung das Satzes „durch den wir uns aus unsere Persoll verschworen haben" von dem judenfeindlichen Uebersetzer böswillig in das Gegenteil verkehrt wurde, daß dies schon vor zwei Jahrhunderten als eine Fälschung bezeichliet wurde, daß schon vor langer Zeit selbst einer der ärgsten Judenfeinde, Eisenmenger, das Kol-Nidre-Gebet gegen diese Lüge in Schutz nahm. Außerdem haben auch in unserer Zeit christliche Autoritäten, wie Professor Nöldeke, Delitzsch und Strack, sich so entschieden dahin geäußert, daß aus dem Kol-Nidre-Gebet nicht das geringste Bedenken gecjeu die Glaubwürdigkeit des von einem Judell geleifteteu Eides hergenommen werden könne, daß es nur bei der „Staatsbürgerzeitung" zu verstehen ist, wenn sie dieselbell grundlosen Beschuldigungen wiederholt, die ihr schon vor einem Vierteljahrhundert gründliche Abfertigungen zugezogen haben. Daß dieser Versuch der „Staatsbürgerzeitung", mit den abgedroschenen Erzeugnissen des Antisemiten-Katechismus sich wieder bei den Judenfeinden radikalster Observanz anzubiedern, ihr besonderen Gewinn bringen wird, ist bei der jetzigen Strömung kaum anzunehmen. Ebensowenig dürfte es ihr nützen, daß die Vertrauensmänner des Brandenburger Gaues des Derrtschnatronalen Hanölungsgehrlfen-Ver:banöes in einem Rundschreiben an den Berliner Zweigverein dringend zum Werben für die „Staatsbürgerzeitung" und „Das Reich" aufsordern, den beiden einzigen Blättern, „die ohne Zaudern und energisch" dem Verband in der traurigen „Triole- Affäre" Wilhelm Schacks beigestanden haben und „allen ver-