Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Theorie und Praxis bei dem Vorsitzenden des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 562 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 562 entwickelte für die Hebung ihres Standes, für christlich-soziale und nationale Standesarbeit. Das Programm und die Erfolge Schacks verschafften ihm auch in katholischen Kreisen nicht wenige Anhänger. Und nun ist er gestürzt — ein Opfer der gleichen Leidenschaften, die er bei seinen Gegnern nicht laut genug bekämpfen konnte." Wir wollen hier nicht noch einmal die schmutzige Affäre in aller Ausführlichkeit erörtern. Die „Triole"-AnerbieUrngen Schacks find bekannt, die diesen Antisemiten in den Verdacht brachten, daß hinter seiner Maske sich ein Mädchen- Händler verberge — eine köstliche Ironie des Schicksals! Die „Staatsbürger-Zeitung" hat sich als „Antisemiten- Moniteur" damit begnügt, einzelne Wendungen des den Gipfel des Zynismus erreichenden Schackschen Schreibens als wenig glücklich und der Mißdeutung fähig zu bezeichnen, sich aber dann gehütet, den sicher nicht mißzuverftehenden Brief abzudrucken. Die stark antisemitisch angehauchte agrarische „Deutsche Tageszeitung" fühlte sich aber gedrungen, zu erklären: „Der ganze Brief war so eigentümlich und die Andeutungen so bedenk l i ch, daß wir geneigt waren, an eine Mystifikation oder eine Fälschung zu glauben." Die „Handlungsgehilfen-Zeitung, Organ des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen Deutschlands, Sitz Hamburg", die wohl zuerst das unzweideutige Schreiben Schacks veröffentlichte, hatte rund heraus gesagt: „Wenn an dem Sinne dieses Briefes noch ein Zweifel wäre, die pseudonyme Unterschrift „Triole" würde ihn beseitigen. „Meyers Kleines Konversations-Lexikon" erklärt das Wort „Triole" nämlich so: „Figur von drei Noten, die so viel gelten sollen wie sonst zwei derselben Art." Nach der einstweiligen Freilassung bezw. der gerichtlichen Vernehmung Schacks erhielt die junge Dame, die gegen Herrn Schack wegen Beleidigung Strafantrag stellen wollte, ein Schreiben, in dem er von sich sagte, er sei „zu romantisch" veranlagt, und um Entschuldigung bat. Nicht ohne Grund bemerkt hierzu der „Vorwärts": „Für die Schack-Romantik ist die heutige Zeit zu „praktisch", zu prosaisch. Sie findet höchstens in Boeeaccios kichernden Novellen, in einer. tollen Dekameron-Schnurre, über die man zur Zeit der heidnisch-welschen Re-