Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Theorie und Praxis bei dem Vorsitzenden des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 561 (sequence 5)
- Language
- German
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Theorie und Praxis usw. 561 gegen die sittlichen Gefahren der Frauenarbeit im Handelsgewerbe zu wettern verstand, wurde vor einigen Wochen in Hamburg wegen einer außergewöhnlich schmutzigen Affäre verhaftet und erst, nachdem er sich als Reichstagsabgeordneter zu erkennen gegeben hatte, wieder aus freien Fuß gesetzt. Er erschien aber so sehr belastet, daß er sich trotz eines ihm alsbald von den Mitgliedern der 'Zentralverwaltung des Verbandes deutsch-nationaler Handlungsgehilfen erteilten Vertrauensvotums gezwungen sah, sich zunächst bis zur „völligen zweifelsfreien gerichtlichen Klarstellung" von seinen Dienstgeschäften beurlauben zu lassen. Wie wenig „zweifelsfrei" diese Klarstellung war, ging aus den fast einmütigen Aeußerungen der deutschen Presse hervor, die darauf hinausliefen, eine weitere Teilnahme Schacks an den Arbeiten des deutschen Reichstages nach den Dingen, die über ihn jetzt in die Öffentlichkeit gedrungen seien, als unmöglich zu bezeichnen. So äußerten sich nicht etwa nur die liberalen Blätter oder die sozialdemokratischen, gegen die Schack stets mit Vorliebe geeifert hat, sondern selbst konservative Blätter und Organe des Zentrums, die ihn bisher als Gesinnungsgenossen hatten gelten lassen oder gerühmt hatten. Die dem Antisemitismus zuneigende „Tägliche Rundschau" erklärte: „Wenn die Einzelheiten der schmutzigen Affäre, von deren Wiedergabe wir absehen, richtig sein sollten, wäre die baldige Niederlegung des Reichstagsmandats des Herrn Schack zu erwarten." Später äußerte sie: „Die gegen Schack vorgebrachten Anschuldigungen sind so gravierender Art, daß er auch ohne Richterspruch für die anständige Gesellschaft erledigt sein dürfte." Die freikonservative „Post" meinte, daß der Reichstagsabgeordnete Schack durch seinen sonderbaren Brief an die Stellung suchende Dame das Vertrauen seiner Wähler verloren habe. Schärfer ging mit ihm die auch nichts weniger als judenfreundliche katholische „Märkische Bolkszeitung" ins Gericht, indem sie sagte: „Der Name Schack bedeutete bisher für eine große Schar von Gläubigen ein Evangelium. Er war einer der beredtesten Apostel der Alldeutschen, ein Vorkämpfer gegen die Ausschreitungen des I u d e n t u w s. Mit großem Organisationsgeschick sammelte er unter seine Fahne mehr als 100 000 kaufmännische Angestellte, denen er ein glänzendes Programm