Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Wirtschaftsgeschichte der Juden
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 553 (sequence 3)
- Language
- German
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Wirtschaftsgeschichte der Juden. 553 Caro berichtet von einem Juden Siegreich, der mit 570 in Bourges lebte. Als der jüdische Weltreisende Benjamin von Tndela um die Mitte des 12. Jahrhunderts nach Arta in Griechenland kam, fand er als Vorsteher der dortigen Gemeinde einen Rabbi Herkules. In Kai-fung-soo in China wird 1163 ein Rabbiner erwähnt, der Liewei heißt. So nehmen die Juden allenthalben die landesüblichen Namen an, und die seltsame Erscheinung, daß heute unsere Knaben nacht die altjüdischen Namen führen, Jakob, Josef, David, sondern Erich und Herbert, Erwin oder Edgar genannt werden, findet schon in alter Zeit ihr Gegenstück.. Nicht alles freilich war gut, was die Juden dabei annahmen. So faßt int 13. Jahrhundert ein hebräischer Bericht über die Inden in England es als Anpassung an die Landessitte auf, daß der Alkoholgenuß unter den Juden um sich greift, und eine ähnliche Beobachtung ließe sich auch heute machen. Die wichtigste Frage, die Caro aufwirft, ist die nach denr Beruf der Juden. Was war ihre Arbeit? Woher gewannen sie ihren Lebensunterhalt? Die meisten würden darauf wohl antworten, „die Juden waren Kaufleute von jeher." Aber diese Antwort wäre nicht richtig, und das ungeheure Material, das Karo verarbeitet hat, zeigt wieder von neuem in eindringlichster Weise, daß von einer angeborenen Hinneigung der Juden zum Kaufmannsstande nicht die Rede sein kann. In Westeuropa sind heute allerdings' die Juden zum großen Teil Kaufleute, obwohl auch hier ein großer Teil sich der Industrie und den freien Berufen zuwendet. A b e r die russischen Juden sind zum guten Teil Handwerker; die Schneider in den Sch Witz- Werkstätten von London sind zum großen Teil, die Lastträger in Saloniki, die erst k ü r z l i ch den großen Boykott gegen die österreichischen W a r e n d u r ch f ü h r t e n , sind fast a u s s ch l i e ß l i ch Juden. Und in alter Zeit darf als die Hauptbeschäftigung der Juden der Ackerbau bezeichnet werden. Die Juden der biblischen und der talmudischen Zeit sind fast ausschließlich Bauersleute und Handwerker. Caro führt aus, wie in talmudischer Zeit bei den Juden die Agrarverfassung des ausgehenden Altertums, der Gegensatz von reichen Possessoren und armen Kolonen, eindrang; er gibt