Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Agitationsfragen
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 550 (sequence 6)
- Language
- German
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550 Im deutschen Reichkanntmachungen müssen geradezu so eingerichtet werden — z. B. auch durch persönliche Aufforderungen an Bekannte —, daß sie eine möglichst große Zahl von christlichen Besuchern herbeiziehen. Das wird meistens nicht so schwer sein; denn im allgemeinen versprechen sich unsere christlichen Mitbürger nicht ohne Grund von den jüdischen Rednern angenehme Unterhaltung, und wenn sie erst unsere Gründe hören, werden sie sich deren Richtigkeit auch nicht verschließen, zumal wir doch nicht bloß für unser Recht kämpfen, sondern für das Recht.; Häufig wird es auch möglich sein, in Versammlungen, die nicht von uns einberufen sind, für unsere Zwecke zu wirken. Wenn ich z. B. in einem kaufmännischen Vereine über Handelsverträge spreche, würde es nicht unangebracht sein, dabei die Ungerechtigkeiten zu beleuchten, die Rußland gegen uns und unseren Staat begeht, wenn es trotz der Verträge den jüdischen Reisenden das Leben schwer macht. Es wird viele Themata geben, die ähnliche Erörterungen zulassen, und an Gelegenheiten, Vorträge zu halten, fehlt es ja auch den Juden nicht. Ob und wann es sich empfiehlt, besondere allgemeine Versammlungen einzuberufen, um in ihnen das Gerechtigkeitsgefühl unserer christlichen Mitbürger anzurufen, wird sorgfältig zu erwägen sein. Ich denke mir, solche Versammlungen, von angesehenen Männern geschickt veranstaltet, mit besonders begabten Rednern versehen, müßten gut wirken. Erfahren wir in der Diskussion Widerspruch — um so besser: wir kämpfen mit guten Waffen und haben den Kampf nicht zu fürchten! Kommt es dabei einmal zu unangenehmen Szenen, so ist das auch kein Unglück: wer in den Krieg zieht, darf Wunden nicht scheuen! Im Lichte der Oeffentlichkeit will der Central-Verein kämpfen. Wo ist mehr Oeffentlichkeit, als in solchen Versammlungen? Ich wiederhole: es ist schwer, das zu erreichen, was wir durchaus bewirken müssen, soll unser Mühen nicht aussichtslos sein; es ist schwer, aber nicht unmöglich. Daß wir nur schrittweise und in langer Zeit vorwärts' kommen können,