Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Agitationsfragen
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 548 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316788-2342233--19519-2342301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
548 Im deutschen Reich. reiche und wohlhabende Kaufleute und Studierte unter den Juden. ,. ' '; 1 ' Aehnliche Beispiele ließen sich viele anführen. Von der Bedeutung unserer Religionsgebräuche, die so viel Befremden bei den Andersgläubigen erwecken, haben die wenigsten unter ihnen eine richtige Vorstellung. Und welche Vorurteile entstehen deshalb bei ihnen über uns und unsere Religion! Hier aufklärend zu wirken, wo immer sich die Gelegenheit dazu findet, ist Pflicht eines jeden Juden. Eine Zeitungsnotiz, ein Vorkommnis aus dem täglichen Leben bietet jederzeit die ungezwungene Veranlassung, darüber zu sprechen. Man muß sich nur nicht scheuen, sich einem Christen gegenüber als Jude und jüdisch empfindenden Menschen zu zeigen! Daß Art und Umfang des Gespräches stets von dem nötigen Takt beherrscht sein muß, ist freilich selbstverständlich. Gute Erfahrungen habe ich auch mit dem gelegentlichen Ausleihen von Büchern und Zeitschriften gemacht. So erhielt ich z. B. das Coudenhovesche Buch: „Das Wesen des Antisemitismus" erst zurück, nachdem es von einer Reihe von gebildeten Christen mit großem Interesse gelesen worden war. Ein zweites, bisher viel zu wenig ausgenutztes Agitations- Mittel ist die Presse. Ich meine nicht die jüdische Presse, denn diese wird für die Einwirkung auf die Ueberzeugung unserer christlichen Mitbürger kaum nennenswert in Betracht kommen. Zwar sendet unser Vorstand die Vereinszeitschrift an viele Christen in namhafter Stellung (Parlamentarier, Schuldirektoren usw.): ich glaube auch gerne, daß nicht alles ungelesen in den Papierkorb wandert, aber für die nach meiner Ueberzeugung so sehr wichtige Beeinflussung der Masse der Andersgläubigen ist die jüdische Presse ohne Bedeutung. Da können wir nur Erfolge haben, wenn so oft wie möglich in den verschiedensten Zeitungen der verschiedenen Gegenden Deutschlands Artikel erscheinen würden, welche unsere Angelegenheiten in geeigneter Weise erörtern. Sollte es unmöglich sein, solche Zeitungen zur Aufnahme derartiger Besprechungen zu bewegen? Vor einiger Zeit brachte die Kölnische Volkszeitung, also ein führendes Blatt des Zentrums, einen von vr. Goldmann-