Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Agitationsfragen
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 547 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Agitationsfragen. 547 ohne Kamps und Mühe sich selbst durchzusetzen vermag, so wenig darf man zweifeln, daß schließlich doch die Gerechtigkeit und die Vernunft den Sieg gewinnt. Die Menschen im allgemeinen sind ja gar nicht so schlecht, wie es viele glauben: Unkenntnis, Irrtum und Gleichgültigkeit sind weit öfter die Ursache eines Unrechts als wirkliche Schlechtigkeit! Kann es aber eine bessere Sache geben, als die, die wir verfechten? Welche Forderung ist logischer, als die, daß Bürger, die fähig und gewillt sind, dem Vaterlande zu dienen, die ihm seit vielen Jahrhunderten eine große Masse von vorzüglichen Kräften geschenkt, ihm mit Gut und Blut gedient haben und immer wieder dienen werden, daß solche Bürger endlich aufhören wollen, von den Verwaltern und berufenen Schirmern der staatlichen Ordnung. als Bürger zweiter Klasse behandelt und in ihren verfassungsmäßigen Rechten verkürzt zu werden? Wo sind nun die Wege, welche uns zu dem Herzen, dem Verstände und dem Gerechtigkeitsgefühl unserer christlichen Mitbürger führen können? Die Vorschläge, die ich in den folgenden Ausführungen machen will, sind weit entfernt davon, den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Im Gegenteil: sie sollen nur eine Anregung bieten, vielleicht eine öffentliche Diskussion Hervorrufen, damit so von anderer Seite Besseres gebracht werde. Am leichtesten ist die Agitation im persönlichen Verkehr. Für jeden von uns ist häufig die Gelegenheit gegeben, in Privatgesprächen mit einzelnen oder mehreren christlichen Bekannten unsere Sache zu führen und den anderen über allerhand Jrrtümer in Beziehung auf uns aufzuklären. Man glaube nicht, daß es an solchen irrigen Vorstellungen fehle. Es ist staunenswert, welche wunderbaren Anschauungen sogar in den Köpfen vieler gebildeten Christen vorherrschen. Vor einigen Jahren wurde unser Rabbiner von einem Oberlehrer gefragt, ob er seine Predigten immer in hebräischer Sprache halte. Ein anderer Akademiker war sehr überrascht, als ich ihm gelegentlich von der unendlichen Armut der jüdischen Bevölkerung in Rußland und Galizien erzählte und dabei erwähnte, daß dort alle schweren körperlichen Arbeiten von Juden ausgeführt würden. Er hatte geglaubte es gäbe nur