Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 526 (sequence 4)
- Language
- German
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526 Im deutschen Reich. Werner 1428 heilig gesprochen, bedeutete St. Werner eine aus allen Teilen Deutschlands viel besuchte Wallfahrtsstätte." — Daß eine längst als unbegründet nachgewiesene Legende in einer nichtantisemitischen Zeitun-g derart als geschichtliche Tatsache hingestellt wurde, schien uns bedeutungsvoll genug, die Redaktion der „Kölnischen Zeitung" darauf Hinweisen zu lassen, daß in der vorliegenden Form die Notiz geeignet sei, falsche Borstellungen hervorzurufen und vorhandene Borurteile zu stärken. Die Redaktion der „Kölnischen Zeitung" ist so loyal gewesen, das ihr zugegangene Schreiben in der Nr. 25 des Stadtanzeigers vom 19. Juni d. I. vollinhaltlich zu veröffentlichen. In dieser Wiedergabe heißt es n. a. wörtlich: „Die Ermordung des Knaben Werner durch die Juden ist ebenso unwahr wie das nach der Legende vorgekommene Rheinaufwürtstreiben der Leiche, das Ausstrahlen eines Lichtscheins und die Heilung von Kranken durch die Leiche. Diesbezüglich verweise ich auf die Veröffentlichungen des Professors an der Berliner Universität, Dr. Hermann L. Strack in seinem Buche „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" (5.- 7. Auflage, München, 1900), worin es bezüglich „des guten Werner" heißt: „Weder die kurzen Wormser Annalen (Monum. Germ. Seript. XVII 77 zum Jahre 128(1), noch Baronius (zum Jahre 1287, Nr. 18), sagen etwas von Blut oder gar von rituellem Zweck. Einziger Beweis gegen die Juden waren Wunder (die Leiche schwamm stromaufwärts nach Bacharach, strahlte einen Lichtschein aus, heilte Kranke usw.st Kaiser Rudolf I. von Habsburg befahl dem Erzbischof Heinrich, daß er in der Predigt feierlich verkündige, die Christen hätten den Juden das größte Unrecht getan und der „gute Werner", welcher gemeiniglich als von den Juden getötet bezeichnet und von einigen Christen als heilig verehrt wurde, solle verbrannt, seine Asche in alle Winde zerstreut und zunichte gemacht werden. (Chronik von Colmar zum Jahre 1288 in Monum. Germ. Seript. XVII, 255)." — In der Mainummer der Zeitschrift „Der Hands ch u h f a b r i k a n t" befand sich eine, „S ch m u tz i g e Ko nk u r r e n z unter de n A r b e i t e r n" übers chriebene Notiz folgenden Inhalts: „Die Zahl der Handschuhmacher wächst in den Der-