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Im deutschen Reich · 1909-09-01 · Heft 9 (September 1909) · p. 482

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 9 (September 1909)
Article
Freistudentenschaft und jüdische Studenten
Date
1909-09-01
Page
482 (sequence 2)
Language
German
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482 Im deutschen Reich. genehmigte Interessenvertretung in Gestalt eines mehrgliedrigen, von einem Ausschüsse unterstützten Präsidiums geschaffen worden. Letztere Institution verfolgte zunächst den Zweck, die Freistudenten gegen die maßlosen Uebergriffe der Inkorporierten, welche sich als die Akademiker par excellence betrachten und den Nichtinkorporierten einen Anteil an den studentischen Allgemeinvertretungen versagen, zu schützen; allmählich aber hat sich aus diesen mehr negativen Bestrebungen ein positives, großzügiges Kulturprogramm entwickelt, welches zwar auch außerhalb der Studentenschaft in Professorenkreisen Förderung findet (wir zählen u. a. v. Amira- München, Dahn-Breslau und den in Centralvereinskreisen wohlbekannten Prof. v. Liszt zu unseren Freunden), dem Interesse der breiteren Oeffentlichkeit jedoch erst durch die behördliche Auflösung der — inzwischen wieder genehmigten — Berliner freistudentischen Organisation etwa nahe gerückt worden ist. Die freistudentische Bewegung gipfelt darin, den Typus eines jungen Akademikers zu schaffen, der den Anforderungen unserer Tage entspricht: als solchen kann man jedoch den Korporationsstudenten, insbesondere den kouleurtragenden, wohl kaum ansprechen. Gewiß besitzt das Korporationswefen eine Reihe von Vorzügen, die bestechen mögen: Es sind ein nach außen fest abgegrenzter, anscheinend durch und durch gefestigter Freundeskreis, Förderung des persönlichen Auftretens und der gesellschaftlichen Erziehung, fröhliche Geselligkeit u. a. Es würde jedoch einer außerordentlichen Ueberschätzung, insbesondere der letzteren, mehr äußerlichen Dinge gleichkommen, wenn man demgegenüber die Nachteile des Korporationslebens als verschwindend erachtete. Die unzähligen Verbindungen an deutschen Hochschulen geben ein getreues Abbild der alten deutschen Kleinstaaterei, jede hält sich für die einzig berechtigte und einzig fördernde. Dem entspricht vielfach eine engherzige Kirchturmpolitik: das ganze Interesse — kommt es nicht den Vergnügungen und der oft recht schlecht berücksichtigten Arbeit zugute — wird durch die mit der Verbindung zusammenhängenden, oft allergleichgültigsten Dinge absorbiert; dagegen herrscht offenbar eine erstaunliche Jnteressenlosigkeit für die die Volksallgemeinheit berührenden Fragen der sozialen Betätigung, der politischen Urteilsbildung,

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