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Im deutschen Reich · 1909-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1909) · p. 444

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1909)
Article
Berlin
Date
1909-07-01
Page
444 (sequence 6)
Language
German
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444 Im beutfdjen Sfteid). wie zum Zentralkomitee für das ärztliche Fortbildungsschulwesen in Preußen sämtlich Juden. Das Organ der Gesellschaft, die „Berliner Ae r zteko r r e sp o nd enz", sollte daher eigentlich im jüdischen Jargon erscheinen." — Diese Darstellung stellt die Tatsachen in tendenziöser Weise auf den Kopf. Freilich sind die Wahlen des Geschäftsausschusses der Berliner ärztlichen Standesvereine auf jüdische Aerzte gefallen. Soweit stimmen die Angaben. Das Blatt verschweigt aber wohlweislich die Hauptsache. Die leider auch in dem Aerztestand nicht ohne Einfluß gebliebene antisemitische Verhetzung hat es nämlich zuwege gebracht, daß in Berlin eine Scheidung der ärztlichen Vereine auf konfessioneller Basis allmählich eingetreten ist. Die oben genannten Berliner ärztlichen Standesvereine rekrutieren sich zum größten Teil aus jüdischen Merzten, während die christlichen Aerzte sich zu eigenen Vereinen zusammengetan -haben, die den Berliner Aerzte Vereinsbund bilden und —einige weiße Raben abgerechnet — sich judenrein halten. Wenn das „Deutsche Volksblatt" der Wahrheit die Ehre gegeben hätte, so hätte es nicht verschweigen dürfen, daß diese Vereine zu Vorstandsmitglieder ausnahmslos christlich e Aerzte haben, daß ferner an der Spitze des Geschäftsausschusses der Berliner ärztlichen Standesvereine, trotzdem sie sich, wie gesagt, hauptsächlich aus jüdischen Aerzten rekrutieren, lange Jahre ein christlicher Arzt gestanden hat, der Geheimrat Becher, der gleichzeitig bis zu seinem Tode Vorsitzender der Aerztekammer war. Das antisemitische Blatt hat ferner verschwiegen, daß diese Verhältnisse nur für Berlin zutrefsen, und daß zum Glück für den Aerztestand die konfessionelle Scheidung sich im übrigen deutschen Reiche nicht vollzogen hat, und daß in den Vorständen der zahlreichen ärztlichen Vereine des gesamten deutschen Reiches mit verschwindenden Ausnahmen jüdische Aerzte nicht vertreten sind. — Es ist nötig dies festzustellen, damit nicht die Legende von der „Verjudung des Aerztestandes" und die „drohende Gefahr der Verjudung unserer gelehrten Berufe in den Großstädten" weiter von der Antisemiten-Presse kolportiert wird. — Wenn das Interesse jener Presse für den Aerztestand ein so lebhaftes ist, so würde sie den Aerzten einen besseren Dienst erweisen, wenn sie darauf hinwiese, daß ein solidarisches Zusammenstehen aller

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