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Im deutschen Reich · 1909-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1909) · p. 437

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-07-01
Page
437 (sequence 12)
Language
German
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Umschau. 437 öie österrerchrsch-rrngarische Monarchie der, drohenden Gefahr eines langen Krieges entging, hat das Interesse der Deutschen an den Vorgängen jenseits der schwarz - gelben Grenzpsähle wesentlich erhöht. Es kann deshalb nicht unbeachtet bleiben, daß in Oesterreichs zwar noch immer die Christlich-Sozialen die Oberhand haben, auch der religiöse Fanatismus vieler Klerikalen den jüdischen Bürgern noch immer vielfach Bedrängnisse bringt, auch in der Rechtspflege und in den Kommunalverwaltungen die antisemitische Strömung sich noch immer fühlbar macht, aber daß doch die Regierungsverwaltung sich davon möglichst fern hält. Die österreichischen Juden erreichen, wenn sie dazu befähigt sind, in der Armee und in der Marine, in der Justiz und in den verschiedensten Berwältungszweigen Beförderungen, die ihre Glaubensgenossen im Deutschen Reiche nur dann erlangen können, wenn sie durch Verleugnung ihrer religiösen Ueberzeugung eine seltsame Probe ihrer Gesinnungstüchtigkeit abgelegt oder mindestens eine Gleichgültigkeit in Glaubenssachen bekundet haben, die sich gewöhnlich fortzuerben pflegt. Aber ein Umstand in den Verhältnissen in Oesterreich macht diese doch den unsrigen ähnlich, daß nämlich dort wie hier unverkennbar der Antisemitismus deshalb nicht völlig abflaut, weil der engherzige Nationalismus der sog. bürgerlichen Kreise, die sich auch bei uns als „alldeutsch" bezeichnen und in Oesterreich besonders das deutsch-böhmische Element umfassen, für die in den Grenzgebieten wohnenden Juden sich peinlich geltend macht. Er äußert sich nicht so roh wie der Antisemitismus ungebildeter Czechen, wirkt aber ebenso abstoßend und fördert dabei durch seine Anfeindung gut deutsch gesinnter Bürger nur das Slaventum, das mit jedem Jahre neue Teile der deutschen Sprachinseln in Böhmen an sich reißt. Deutsch-böhmische „Nationalisten" beklagen sich häufig mit Recht oder mit Unrecht darüber, daß die österreichische Regierung bei Besetzung von Beamtenftellungen ihnen Czechen vorziehe. Alle, die Kenntnis von den verhängnisvollen Folgen haben, die eine entgegengesetzte Praxis in den preußischen Ostmarken nach sich zieht, finden das Bedenken gegen Verwendung solcher mit Scheuklappen versehenen „Alldeutschen" in Grenzorten mit gemischter Bevölkerung sehr erklärliche . ' 1 1; j

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