Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 434 (sequence 9)
- Language
- German
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434 Im deutschen Reich. bei Mißerfolgen durch das Bewußtsein erfüllter Menschenpflicht sich erhoben fühlen. Aber wer Haß und Zwietracht säet, kann seine Genossen nicht achten und ihnen vertrauen, und wird am Ende eingestehen müssen, daß der Haß sein Leben und Wirken zu einem verfehlten macht. Daß Adolf Stöcker, der bei seiner zweifellos großen Begabung ohne seine agitatorische Wirksamkeit sich und anderen hätte reichen Segen bringen können, am Abend seines Lebens mit seinen Erfolgen zufrieden gewesen, wird wohl niemand ernstlich behaupten, aber eine ganze Reihe anderer antisemitischer Größen ist noch kummervoller dahingeschieden oder bereits so von der Bildfläche verschwunden, daß ihre Spur nicht mehr zu finden ist. Die Antisemiten, die noch eine gewisse Rolle zu spielen meinen, sind doch mehr oder minder nur von dem Wahne befangen, zu schieben, während sie geschoben werden. An einem der letzten Maitage starb vr. W. G i e s e, der Herausgeber der „Antisemitischen Jahrbücher", deren erster Band im Jahre 1897 erschien. Diese Jahrbücher, für die bekannte antisemitische Parteimänner Beiträge lieferten, die eine Zusammenfassung der Waffen gegen die Juden bieten sollten, erregten anfangs Aussehen, erzielten aber schließlich doch nicht die erhofften Erfolge, weshalb Dr. Giese diese Tätigkeit abbrach, die Berliner Hauptgeschäftsstelle der Deutschsozialen Resormpartei übernahm und in dieser im Verein mit dem späteren Reichstagsabgeordneten Böckler eine umfassende Flugschristenverbreitung einleitete. Auch hierbei hat er keine Befriedigung finden können und sich schließlich in tiefstem Mißmut von der Beteiligung an der aktiven antisemitischen Politik zurückgezogen. Von seiner dann verfaßten Schrift „DieHerren Raab und von Liebermann in der Deutschsozialen R e f o r m p a r t e i", in der er die Gründe seines Rückzuges darlegte, .sagt sein Freund Oswald Zirnmermann: „Für die Geschichte des Antisemitismus hat das Buch dauernde Bedeutung, denn zutreffend bleibt, was vr. Giese in der Vorrede des Buches schreibt: „Es kann der allgemeinantisemitischen Sache nur von Nutzen sein, wenn jedermann erfährt, wo denn die eigentliche Ursache der fortwährenden Streitereien liegt, durch die die antisemitische Bewegung leider nur schon zu lange zum Gegen-