Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 430 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316786--19284-2341981- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
430 Im deutschen Reich. sie haben während des konservativ-liberalen Blocks in bezug aus die Verwirklichung ihrer Gleichberechtigung nichts Wesentliches gewonnen; sie würden bei einem Triumph der Gegner dieses Blocks auch nichts Schlimmeres erfahren als ihre andersgläubigen Mitbürger. In'gewissem Sinne berechtigt die jetzige peinliche Krisis sogar zu der Hoffnung auf eine Klärung und Besserung der Parteiverhältnisse; denn das jetzige Fraktionswesen, das die antisemitische Wühlerei wenn nicht begünstigt, so doch erleichtert hat, droht in die Brüche zu gehen. Falls die Konservativen ihren Willen durchsetzen und statt der Erbschaftssteuer nach dem Plane der Finanzkommission eine Besitzsteuer und indirekte Steuern auf Bier, Branntwein, Tabak, Glühkörper, Parfümerien, Streichhölzer, Mühlenumsatz und Kohlenausfuhr beschlossen werden, würden weite Kreise der Bürgerschaft und der Arbeiter so schwer getroffen, daß ihnen wohl die Lust vergehen wird, bei künftigen Aeichstagswahlen wieder den Konservativen und ihren antisemitischen Knappen Vorspann zu leisten. Ob in der nächsten Zeit eine Reichstagsauflösung bevorsteht oder später nötig wird, ändert an der Tatsache nichts, daß sich bei der Mehrheit des deutschen Volkes eine tiefgehende Wandlung der Stimmung vollzieht, an der Männer wie Bamberger und Barth eine Helle Freude haben könnten. Auch der Regierung wird allmählich die Tendenz der agrarischen Angriffe unangenehm. Der Schatzsekretär Dr. Sydow bemerkte treffend: „Ich glaube, bei der ganzen Tendenz hat eine gewisse instinktive Abneigung gegen das, was man Börse nennt, gegen die Kreise, die den Geldvermittlungsverkehr an der Börse und im Zusammenhang mit ihr vollziehen, zumTeilsogar bewußt das leitendeMotiv i st. Aber berechtigt ist es darum nicht. Man trifft nicht nur die Börse, nein man trifft viel mehr Gewerbe und Handel, das heißt diejenigen erwerbstätigen Kreise, die, und zwar in Deutschland ganz besonders, bei der verhältnismäßigen Kapitalsschwachheit zur Betätigung der Unternehmungslust auf die Geldvermittlung durch die Börse angewiesen sind." Die Volksvertreter, die dazu beitragen, Steuerpläne durchzusetzen, die