Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 431 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 431 ausschließlich Handel und Industrie belasten und voraussichtlich lahmlegen, und dadurch die ohnehin nicht reichliche Arbeitsgelegenheit noch zu verringern, werden künftig vielfach Mühe haben, ihre Mandate zu behaupten. Die Massenproteste, die von zahlreichen Organisationen in den letzten Wochen kündgegeben worden sind, werden nicht ganz wirkungslos bleiben, sondern wenn nicht in den Regierungskreisen, doch in den weitesten Volkskreisen nachhaltigen Widerhall finden. Bei dem nächsten Wahlkampf werden chauvinistische und antisemitische Redensarten nicht mehr ziehen, sondern nur noch männliches Selbstbewußtsein und Charakterstärke, Freisein von Rassen- und Klassenhaß, die Verbreitung idealen Gemeinsinnes und des festen Willens, alle Sonderinteressen zu bekämpfen. Aus diesem Grunde möchte man sogar einen L>?rrhussreg -es neuen Blocks herbeiwünschen. Innerhalb der konservativen Partei sind schon vor der Sprengung des früheren, mit den Liberalen gemeinsam gebildeten Blocks zahlreiche Stimmen laut geworden, die ernstlich davor gewarnt haben, bei der Finanzreform den Bogen allzu straff zu spannen und dabei die Regierung in eine Sackgasse zu drängen. Die Organe der strengprotestantischen Konservativen warnten vor einem Bündnis mit dem Zentrum, das für seine Mitarbeit sehr bedeutende Gegenleistungen fordern werde, während die Liberalen bisher auf Kosten ihrer Volkstümlichkeit eine weitgehende Anspruchslosigkeit gezeigt haben. Einzelne konservative Vereinigungen wandten sich direkt an die deutsch-konservative Reichstagsfraktion und machten ihre Bedenken gegen eine Politik geltend, die der Partei den Boden im Wolke entziehen müßte. Selbst in den Reihen des Bundes der Landwirte haben die Vorgänge der letzten Zeit so zersetzend gewirkt, daß in einem von den „Deutsch-^Sozialen Blättern" veröffentlichen Schreiben eines Parteimannes aus Braunschweig offen erklärt wurde: „Das mühsam verschaffte Verständnis in städtischen Kreisen für die Landwirtschaft scheint wieder verloren zu gehen, wenn es überhaupt nicht schon verschwunden ist." Das antisemitische Organ knüpfte daran die charakteristische Bemerkung, es halte es nicht für angezeigt, „in dieser betrübenden Sache mehr zu schreiben, als zur Aufklärung der Partei erforderlich sei, denn nur