Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 428 (sequence 3)
- Language
- German
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428 Im deutschen Reich. Bülow, noch ehe dieser sich eine agrarische GrabschrifL wünschte, in Wort und Schrift entgegen, als der Kanzler eine Zollpolitik förderte, die es schließlich doch nur den Grundbesitzern ermöglichen konnte, auf Kosten von Handel und Industrie Reichtümer anzuhäufen. Tatsächlich hat diese Zollpolitik nicht die Erwartung erfüllt, die Staatskassen zu füllen, und nicht die deutsche Landwirtschaft leistungsfähiger gemacht, sondern nur solchen Kreisen genützt, die sofort der Regierung die Freundschaft kündigen, wenn sie einmal von ihnen Opfer fordert. Diese agrarische Politik hat vielmehr die Finanzen des Staates geschädigt, indem sie die bürgerlichen Kreise so belastete, daß sich deren Steuerkraft wesentlich verringerte. Die Männer vom Schlage Barths haben vom Gesichtspunkte einer rationellen Wirtschaftspolitik ein System bekämpft und bekämpfen es noch, dem die deutschen Industriellen und die breitesten Volksschichten mit den Worten Schillers vorwerfen können: „So stößt man uns zum Raubtier in die Wüste, .um seine teueren Schafe zu behüten." Alle diese Männer mußten aber auch als vorurteilsfreie Denker es als eine Perfidie betrachten, wenn die Fanatiker der indirekten Besserung für die sich steigernden Preise der notwendigsten Lebensmittel ben füörscheir Zwischenhandel verantwortlich zu machen suchten, den doch die vornehmen Agrarier und ihre nichts weniger als vornehmen antisemitischen Schleppenträger bereits mittels der Raiffeisen-Kassen, der durch staatliche Unterstützungen ermöglichten bureaukratischen Zwischenorganisationen, und durch Verhetzung der bäuerlichen Bevölkerung nahezu vollständig ausgeschaltet hatten. Wo dies noch nicht der Fall ist, nämlich in städtischen Kreisen, war es den freisinnigen Bürgern immer klar, -daß z. B. die ihre Kartoffeln nach England und Schweden exportierenden oder für ihre Brennereien verwendenden Großgrundbesitzer, ebenso wie die ihre Schlachttiere ohne Zwischenhändler direkt zu hohen Preisen an die Fleischer absetzenden Viehzüchter nicht gerade als Wohltäter der armen Bevölkerung zu betrachten seien. Den Berliner Arbeitern ist es nicht entgangen, daß sie es z. B. den von unseren „Bojaren" verachteten jüdischen Eierhändlern aus Galizien zu danken haben, wenn sie zur Ernährung schwacher Kinder kräftigende Eier zu 5 Pf. kaufen können, statt,