Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 427 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 427 Nun i)t ihm keine Wiederkehr gegönnt, aber er lebt in unserer dankbaren Erinnerung fort. Was ihm dieses treue Andenken sichert, bekundete die Inschrift der Schleife des Kranzes, den wir dem Dahingeschiedenen gewidmet haben: „Dem wackeren Kämpfer für Recht und GerechLigkei t." Stets ist Dr. Barth für die Verwirklichung' und Erhaltung der Gleichberechtigung feiner jüdischen Mitbürger eingetreten; bei ihm war dies keine weiche Sentimentalität, sondern die natürliche Folge seines tiefen Rechtsgefühls, seiner vorurteilsfreien Gesinnung und vornehmen Denkungsweise, die ihn nicht nur zum entschiedenen Gegner der kulturwidrigen antisemitischen Bewegung, sondern auch zum Kämpfer gegen den Kastengeist, gegen jede Bedrückung und insbesondere wider eine rücksichtslos rohe „Herrenmoral" machten. Durch und durch deutsch gesinnt, wie sein jüdischer Freund Bamberger, hatte er wie dieser auf weiten Reisen jede kleinliche Kirchturmsanschauung abgestreift. Ohne einem romantischen Weltbürgertum anheimzufallen, hatte er sich die schöne altdeutsche Eigentümlichkeit bewahrt, das Schöne und Gute auch außerhalb seines Vaterlandes schätzen zu können und sich von dem Rassendünkel und jenem falschen Nationalitätsgefühl fernzuhalten, für das die edle deutsche Sprache glücklicherweise kein Wort besitzt, von dem widerlichen, undeutschen „Chauvinismus". Er liebte es, seine eigenen Wege zu gehen, und wer selbst meint, daß er dabei mitunter irrte, muß doch anerkennen: er war und blieb selbst im Irrtum doch immer wahr, sich selbst treu und erwarb dadurch auch bei politischen Gegnern hohe Achtung. Barth erklärte einst, dem eisernen Kanzler eine stählerne Charakterfestigkeit entgegenstellen zu wollen; er hat auch der Hochschutzpolitik Bülows sich 'widersetzt. Der durch viele ungerechte Zurücksetzungen gekränkten jüdischen Bevölkerungsminderheit und auch anderen Entrechteten gegenüber zeigte er über stets ein echt menschliches, weiches Mitgefühl. Wie der vor ihm dahingeschiedene Abg. Rickert hat Barth früh -erkannt, daß die agrarischen Wortführer des „Bundes der Landwirte" nicht nur die ärgsten Antisemiten, sondern auch die unversöhnlichsten Feinde des gesamten liberalen- Bürgertums, und daß ihre Ziele und Bestrebungen mit dem Wesen des modernen Staates völlig unvereinbar sind. In dieser Ueberzeugung trat er dem R e i ch s kanzle r F ü r st e n