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Im deutschen Reich · 1909-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1909) · p. 417

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1909)
Article
Literarische Volksvergiftung
Date
1909-07-01
Page
417 (sequence 6)
Language
German
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Litera rische- Vo lks v ergi ftun g. 417 ist es, wenn das Volk ungebildet ist, und unsere Schriftsteller beschäftigten sich lange mit allen möglichen Dingen und überließen die eigentliche Volksliteratur Narren und Scharlatanen. Sie dünkten sich zu gut für diese Aufgabe, sie wollten zum Volke nicht herabsteigen. Diese Sache schien nicht schwer, nicht vornehm genug. In Wirklichkeit aber scheint diese Aufgabe nur leicht, steift aber, wie alle einfach scheinenden Ausgaben, sehr schwierig und erfordert viel Kunst der Darstellung und Liefen psychologischen Blick. Der richtige Volksschriftsteller muß sich nicht zum volkstümlichen Tone künstlich zwingen, sondern er muß ihn leicht treffen können; er muß nicht zum Volke herabsteigen, sondern er muß, innerlich wenigstens, im Volke leben. Noch schwieriger vielleicht ist die gute I u g e n d s ch r i f t. Man muß sich in die Seele des Kindes, versetzen können, muß nicht als Lehrer, sondern als treuer Kamerad zu ihm sprechen, muß mit ihm fiityten und mit ihm leben. Die Darstellung muß einfach, aber lebendig, der Stil glatt und fließend und doch nicht ohne Schwung sein. Es erfordert also den ganzen Künstler, der mit einfachen Mitteln große Wirkungen zu erzielen versteht. Aber der Ruhm und der klingende Lohn eines Volks- und Jugendschriftstellers ist nicht groß, und die meisten wollen sich nicht mit Problemen, die nicht im literarischen Modejournal stehen, den Kopf zerbrechen. Lieber befaßt man sich mit der degenerierten Menschheit als mit dem Kern des Volkes, lieber mit dem hypermodernen neurasthenischen Weibe als mit dem Kinde. So kam es, daß unsere Scharlatane ein völlig verlassenes Feld fanden, auf das sie sich mit Wonne stürzten. Und heute, wo die Schundliteratur mächtig angewachsen ist und die Seele des Volkes und des Kindes zu verschlingen droht, sehen wir erst, vor welcher Gefahr wir stehen und wie bitter notwendig hier eine Abhilfe ist. Aber mit dein bloßen Klagen ist hier nicht geholfen und auch die Erkenntnis ist nur dann ein dauernder Gewinn, wenn sie zur zielbewußteil Tat führt. Die Sache liegt leider so, daß wir nicht gar zu viele Bücher haben, die der Kultur der Volksmassen entsprechen, ohne die Schattenseiten der Schundliteratur zu zeigen. Entweder sind sie arm an Phantasie und an dramatischer Handlung, an Kühnheit und Schwung, dann erscheinen' sie dem

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