Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1909)
- Article
- Literarische Volksvergiftung
- Date
- 1909-07-01
- Page
- 416 (sequence 5)
- Language
- German
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416 Im deutschen Reich. sei es aus dem Wege privater Maßnahmen, dahin wirken, daß den berufsmäßigen Volks- und JugendvergifLern das Handwerk gelegt wird. Ach, sie sind gar zu feine Psychologen, diese sauberen Skribenten und Verleger, sie kennen gar zu genau die Schwächen des Volkes und der Jugend, und sie ziehen — hier wörtlich — Kapital daraus, sogar viel Kapital, denn es gibt Verleger, die an dieser Schundliteratur Millionen verdienen. In der Kenntnis der Schattenseiten des Volkes ruht ihre Stärke. Das Volk und das Kind wollen Nahrung für die lebhaft arbeitende Phantasie haben, sie wollen eine dramatisch lebendige Lektüre, eine Erzählung voller Handlung haben. Sie wollen Helden haben, an denen sie die Flamme ihrer Begeisterung anstecken können, die ihre Helden werden, mit denen sie leben, lachen und weinen, lieben und hassen. Sie wollen keine Reflexionen, keine theoretischen Betrachtungen, sondern das Leben in seiner ganzen Kraft vor sich haben. Aus dieser Prädisposition kann man viel Gutes prägen, wenn man sie im Dienste einer höheren Idee richtig ausnützt, wenn man die Phantasie dichterisch belebt, wenn man das Herz mit Begeisterung für große Männer und schöne Ideale erfüllt, wenn man dem Volke und vor allem der Jugend die Bahn zu den Höhen und Tiefen der Menschheit in richtiger Gestalt zeigt. Sehr verderblich aber kann man wirken, wenn man die Phantasie durch leeren Zunder erhitzt und eine Begeisterung für verbrecherische Heldentaten und zügellose Abenteuer nährt, wenn man gar die Jugend frühzeitig erotisch weckt und sie zu perversen Schwächlingen macht, bevor sie noch Männer geworden sind. Und es wird hier oft mit geradezu verführerischen Mitteln gearbeitet, um die Schundware begehrenswert zu machen und den Reiz nach ihrem Besitze zu wecken. Die schlechten Surrogate sind es, die mit schönklingenden Namen sich trösten und an Stelle der gesunden Nahrung treten, und sie hemmen den Werdegang der natürlichen Entfaltung und erziehen krankhafte Phantasten, Lüstlinge und Verbrecher. 'Sieht man sich dieses Problem genauer an, dann kann man die geistigen Führer nicht ganz frei von Schuld sprechen. Es ist in geistiger wie in moralischer Beziehung zuviel und zulange am Volke gesündigt worden. Schuld der Gebildeten