Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / -tz-
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 384 (sequence 5)
- Language
- German
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384 Im deutschen Reich. semitismus endlich helfe nur das Taktgefühl der Juden, das leider noch bei manchen Glaubensgenossen der Verfeinerung bedürfe. Noch stecke so vielen von uns das alte Schutzjudentum im Blute, es feiere seine Auferstehung in dem „Prozentjudentum", d. h. in dem charakterlosen Behagen, zu dem in mancher Gesellschaft nur geduldeten bestimmten Prozentsatz von Juden zu gehören. Reicher Beifall folgte diesen Ausführungen, unter deren Eindruck wohl bei jedem Zuhörer das sichere Gefühl entstand, daß die Vertretung der öffentlichen jüdischen Interessen dem Centralverein ruhig anvertraut werden darf. Dieses Gefühl kam zum Ausdruck in der dem Vortrag folgenden Diskussion, die im übrigen nur Bestätigendes zu den Worten des Redners brachte. In die aufgelegten Listen zeichnete sich eine ansehnliche Reihe neuer Mitglieder ein. — In der am 28. März dieses Jahres hier abgehaltenen Tagung des Württemberg i s ch e n Landesausschusses ist, wie wir nachträglich berichten, von dem Vorsitzenden, Herrn vr. Feld mann, die Notwendigkeit des Ausbaues der Organisation, vor allem der Bildung von Ortsgruppen, nachdrücklich betont worden. Nach dem Verzeichnis von 1908 besaß damals der Central- Verein in Württemberg bereits 626 Mitglieder, eine Zahl, die sich seitdem wesentlich erhöht hat, der aber die Zahl der bestehenden Ortsgruppen noch nicht entspricht. Dem Württembergischen Landesausschuß soll das Hohenzollernsche Gebiet angegliedert werden. Für die nächsten drei Jahre sind die Herren Or. Feldmann, Or. Einstein und Wilhelm Lichter als geschäftsführende Mitglieder des Landesausschusses wiedergewühlt worden. — Behufs Gründung einer Ortsgruppe des Central- Vereins hat in L u d w i g s h a f e n kürzlich eine von dem Vertrauensmann des Vereins, Herrn Mathematiker Ko bürg er, einberusene zahlreich besuchte Versammlung stattgefunden, in der Herr Koburger den Zweck und die Bedeutung des Central-Vereins ausführlich darlegte. Redner sagte, man müsse an die Geschichte des Antisemitismus und an das Wirken Adolf Stöckers denken, um über die Entstehung des Vereins klar zu werden. Wir Juden seien die letzten, die einem Toten Schlechtes Nachreden; doch die Wahrheit gebiete, zu konstatieren, daß die Schärfe des Antisemitismus