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Im deutschen Reich · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. 385

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
[Ohne Titel] / -tz-
Date
1909-06-01
Page
385 (sequence 6)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 385 Stöckers ureigenstes Werk sei. Um die Wirkung auf die Massen sich zu sichern, wurde der Antisemitismus als Gegenkraft zur Sozialdemokratie ausgespielt. Dieser sei jedoch kein Gegenmittel zur Sozialdemokratie geworden, sondern eher die Vorfrucht der Anarchie. Redner kam dann auf den nützlich wirkenden Verein zur Abwehr des Antisemitisnius zu sprechen, dem auch Andersgläubige angehören und der durch Herausgabe des Antisemitenspiegels zur Bekämpfung des Antisemitismus mitgeholfen habe. Der Central-Verein d. St. jüd. Gl. sollte aber ein Verein sein, der nur Juden und alle Juden ohne Rücksicht auf Stand, politische und religiöse Anschauung umfaßt. Seit 1893 hat er unter dem Wahlspruche: „Recht muß Recht bleiben; wir wollen unser Recht auf dem Wege Rechtens erkämpfen" eine ungemein segensreiche Arbeit geleistet. Er bekämpft Angriffe, die auf einen einzelnen Juden gerichtet werden und die zugleich eine Spitze gegen alle Juden haben. Er hat eine Rechtsschutzstelle ins Leben gerufen, die jedem Juden, der als Jude angegriffen wird, mit Rat und Tat zur Seite steht. Ein Verdienst des Central-Vereins ist es, daß die Verbreitung antisemitischer Hetzschriften zum großen Teil aufgehört hat; ein weiteres Verdienst, daß er die antisemitische Presse überwacht. Aufkkärend hat der Verein u. a. anläßlich der Blutbeschuldigung in Könitz gewirkt. Seine Hastptleistung sei die Herausgabe der Monatsschrift „Im deutschen Reich", die sich mit der bürgerlichen Stellung der Juden befaßt. Es sei traurig, daß der Central-Verein eine Notwendigkeit sei. Angesichts der Verhältnisse aber sei es ein Glück, daß es einen solchen Verein gebe. Derselbe "vertrete über hunderttausend Mitglieder, so daß er immerhin eine Macht darstellt, die der Regierung und den politischen Parteien imponieren muß. Redner ersuchte daher um fleißige Werbung von Mitgliedern und wünschte, daß auch Frauen sich dem Central-Verein zuwenden möchten. Die Organisation des Central-Vereins soll etwas geändert werden. Die beratende Gewalt soll der Mitgliederversammlung genommen und den Delegierten übertragen werden. Deshalb soll auch hier eine Ortsgruppe gegründet werden, die voraussichtlich keine besondere Aufgabe haben werde, da in hiesiger Stadt und Gegend von offiziellem Antisemitismus nichts zu verspüren sei.—Diesen Ausführungen, die mit Begeisterung und Gewandtheit vorgetragen und mit

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