Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / -tz-
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 383 (sequence 4)
- Language
- German
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Bereinsnachrichten. 383 fesselnden Ausführungen des Redners. Dr. Holländer schilderte das Verhalten der Juden — wie es ist und wie es sein sollte — gegenüber den verschiedenen Spielarten des Antisemitismus. Der Po litis che Antisemitismus sei noch allerorts zu verspüren; selbst in einem Lande wie Bayern, das als ziemlich judenfreundlich gelte, seien die Rechte der Juden arg beschnitten, die Beförderung von Juden zu Offizieren sei z. B. auch dort sehr erschwert. Es sei notwendig, auf jede unberechtigte Zurücksetzung von Juden sofort hinzuweisen und Material zu sammeln, auf Grund dessen die Leitung des Central-Vereins einschreiten könne. Sehr bedauerlich sei die politische Unkenntnis so vieler Juden, besonders aus dem Lande. Dieser mangelnden Kenntnis habe mancher antisemitische Kandidat, der am richtigen Ort seine Judengegnerschaft zu verbergen wisse, eine Reihe von jüdischen Stimmen zu verdanken. Auch der religiöse Antisemitismus erhebe noch öfter sein Haupt. Hier tue rasches Einschreiten besonders not. Wiederholt sei es der Leitung des Central-Vereins gelungen, durch schnelle aufklärende Arbeit eine Ritualmordlüge ä la Könitz unschädlich zu machen. Als Beispiele für den immer, noch wachsenden wirtschaftlichen Antisemitismus wies der Vortragende auf die gewaltig erstarkte Organisation des Verbandes Deutschnationaler Handlungsgehilfen hin, dessen Statuten unzweifelhaft antisemitischen Charakter tragen, wenn dieser auch noch so oft in heuchlerischer Weise verschleiert werde. Mit seinem Appell an die anwesenden Geschäftsleute, sich Angehörige dieses Verbandes fernzuhalten, der den Glauben an die Rechtlichkeit des jüdischen Kaufmanns untergrabe und seine Mitglieder zu Spionendiensten gebrauche, fand, der Redner besonders starken Beifall. Ein anderer Beweis Mr den wirtschaftlichen Antisemitismus sei die Tatsache, daß manche Großbanken, sogar solche, in denen Juden im Aufsichtsrat sitzen, keinen jüdischen Beamten anstellen. Hier sei es nötig, Front zu machen, vor allem Beweismaterial zu sammeln, das von der Vereinsleitung peinlichst gesiebt werde, dann aber auch, wie schon mehrere Fälle beweisen, zu erfolgreichem Vorgehen diene. Sehr wertvoll seien zur Bekämpfung des Geschäftsantisemitismus Vereinigungen jüdischer Frauen, wie eine solche jetzt eben in Berlin gegründet wurde, mit dem Zweck, antisemitische Geschäfte beim Einkauf zu vermeiden. Gegen den gesellschaftlichen Anti-