Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Berlin
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 375 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 375 — Am 17. Mai versammelte sich der große Ausschuß des Verbandes der Deutsche n Jude n in Berlin, um dem Verband wieder einen ersten Vorsitzenden zu wählen, nachdem die Stelle durch den Tod des Herrn Justizrats Lachmann verwaist worden war. Die Wahl fiel auf Herrn Justizrat I)r. Horwitz in Berlin. Von den sonstigen Gegenständen der Tagesordnung ist zu erwähnen, daß die Lifte der Vorträge für die am 17. Oktober 1909 in Breslau abzuhaltende dritte Hauptversammlung des Verbandes nunmehr festgestellt ist. Es werden sprechen die Herren Rabbiner Or. Guttmann- Breslau, Justizrat Breslauer-Berlin und Justizrat Wolff-Lissa. — D e r vorbereitende Ausschuß zu r Errichtung eine r A n st alt j ü r j ü d i s ch e Blinde aus de m deutsche n R eiche erläßt einen Aufruf, in dem gesagt wird: „Die bestehenden Blindenanstalten lehnen zwar die Aufnahme von Juden nicht ab, aber die befremdende Tatsache, daß sich in diesen Instituten nur etwa 20 jüdische Blinde befinden, darunter kaum die Hälfte im schulpflichtigen Alter, zwingen zu der Erkenntnis, daß hier eine Lücke besteht. Diese soll durch Gründung einer jüdischen Blindenanstalt ausgefüllt werden, wie solche für Oesterreich in Wien vorhanden ist, die Jahr für Jahr eine große Anzahl von Aufnahmegesuchen aus Deutschland satzungsgemäß ablehnen muß. Die Geschäftsstelle des Ausschusses befindet sich Berlin NO., Elisabethstraße 28/29." ■ ’ r ' ' 'stü — Die „Mitteilungen zur Abwehr des Antisemitismus" haben kürzlich aus Anlaß des Hinscheidens des Heidelberger Universitätslehrers Prof. Her m a n n O st h o f f an eine Stelle in der von ihm 1899 gehaltenen Rektoratsrede erinnert, die wie folgt lautete: „Vor nichts möchte ich dringender warnen, als vor jegl i ch e r A r t v o n I n t o l e r a n z gegen Andersdenkende unter Ihren akademischen Mitbürgern. Wie gern möchte ich sagen, aber es ist vielleicht zurzeit noch eine unerweisbare optimistische Behauptung: es gibt in der deutschen Studentenschaft, es gibt vornehmlich unter unseren Heidelberger Studenten der Rrrperto-Carola keine Gesinnungsriecherei! Da genügt z. B., wie heut die Stimmung ist, manchmal bloß der einfältige Umstand, daß ein akademischer Mitbürger in einer anderen Kirche getauft oder vielleicht