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Im deutschen Reich · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. 372

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-06-01
Page
372 (sequence 12)
Language
German
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372 Im deutschen Reich. dem sreikonservativen Abg. Viereck und« dem zum Zentrum gehörenden Abg. Marx unterstützt wurden, ist eine Besserung der Verhältnisse zu erhoffen. Insbesondere wird nach den bisherigen Erfahrungen das Zentrum für den Schutz jüdischer religiöser Einrichtungen stets ein gewisses Wohlwollen bekunden. Selbst für eine der ernstesten Beschwerden der deutschen Judenheit, die sich gegen die staatlichen Prämien ans die Taufe richten, haben die vornehmeren Organe des Zentrums volles Verständnis. Die „Köln. Volkszeitung" hat kürzlich eine ihr von einem kölnischen Bürger jüdischen Glaubens zugegangene Zuschrift veröffentlicht, in der auf die Ernennung eines dortigen Oberlandesgerichtsrates, eines getauften Juden, zum R e i chs - gerichtsrat als ein Beweis für die Berechtigung der Klagen über die für jeden charaktervollen Juden tiefverletzenden Belohnungen des Religionswechsels mit markigen Worten hingewiesen wird. Die bezüglichen Verhältnisse sollen sich übrigens im Ressort der Justiz, wenn man den erwähnten Einzelsall nicht in Betracht zieht, gegen früher wesentlich gebessert haben; aber in anderen Zweigen der Zivilverwaltung und insbesondere im Heere scheint überall der Weg zur Beförderung an dem Taufbecken vorüberzuführen. Daß damit dem Staate durch den Zufluß von Strebern, die ihre religiöse Ueberzeugung und den den Juden zur größten Ehre gereichenden Familiensinn für materielle Vorteile opfern, ein noch größerer Schaden zugefügt wird als dem von ihnen aufgegebenen Judentum, liegt auf der Hand. Aber das große Unrecht, das einer achtbaren unb pflichrgetreuen Bevölkerungsminderheit, nur weil sie auf Ehre, Ueberzeugungstreue und die besten Familientraditionen hält, vom Staate der Stempel der Minderwertigkeit ausgeprägt wird, bleibt deshalb doch bestehen und ist die bitterste Satire auf den „Rechts- und Külturstaat". Die „Frankfurter Zeitung" schrieb am 10. Mai: „Die reaktionären Gepflogenheiten gegenüber dem Bürgertum gehen Hand in Hand mit der Zurücksetzung der Soldaten jüdischen Glaubens. Jede offizielle oder offiziöse Beschönigung der planmäßigen, dem Geiste und dem Wortlaute der Verfassung widerstreitenden Zurücksetzung der jüdischen Soldaten, ebenso jeder Einwand

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