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Im deutschen Reich · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. 370

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-06-01
Page
370 (sequence 10)
Language
German
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370 Im deutschen Reich. kann, der ihn als Märtyrer ehrt, ist bezeichnend genug. In einer lärmenden Vertexalvex^aramlung öes deutschen Antrsenritenbunöes wurde der Lehrer Holz von dem Redakteur Döring unter dem Jubel der Anwesenden als ein Führer der Nation gefeiert, der unverdiente Kränkungen erfahren habe, aber noch das deutsche Volk zu herrlichen Taten emportragen werde. Man wählte ihn einstimmig zum ersten Vorsitzenden des „Deutschen A n t i s e m itenbundes" wieder, drückte ihm das volle Vertrauen aus und stellte ihm ein Abgeordnetenmandat in Aussicht. Schon früher hatte sich Herr Holz um ein Mandat beworben, hatte aber das Vertrauen der Wähler nirgends gefunden. Nicht aus diesem Holze schnitzt man Volksvertreter; am Antisemitismus wird weder der preußische Staat noch deutsches Wesen jemals genesen! Daß bei der jetzigen Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses die kleine Zahl der jüdischen Abgeordneten sich immerhin von Zeit zu Zeit Gehör verschafft und unverkennbar die einzelnem sich eine geachtete politische Position in einem Kreise erworben haben, der für ihre Ansprüche wenig günstig gestimmt war, ist nicht zu unterschätzen und gibt einen Fingerzeig, der für künftige Reichstagswahlen nicht unbeachtet bleiben darf. Bei der Beratung des Kultusetats hat vor einigen Wochen, als der „Dispositionsfonds für das Elementarunterrichtswesen" besprochen werden sollte, der Abg. Peltasohn daraus hingewiesen, daß in diesem Fonds auch ein Posten von 40 000 M. zur Unterstützung von Synagogengemeinden behufs Erteilung von jüdischem Religionsunterricht an Volksschulen enthalten sei. Man habe aber schon im vorigen Jahre eine Erhöhung dieser Bewilligung angeregt und bemängelt, daß zwölf Kinder als Mindestzahl genommen wurden. Die einzelnen jüdischen Gemeinden seien sehr verstreut, so daß man doch nicht gerade an die Zahl '12 den Zuschuß knüpfen sollte. Nun werde gefordert, daß diese zwölf Kinder in einer Station vorhanden sein sollen. Dieser Ansicht sei das Haus im vorigen Jahre nicht, gewesen. Es sollte den Gemeinden gestattet werden, sich zu einer Vereinigung, zu einem Verbände zusammenzutun und auch die Schüler nicht in einer

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