Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 369 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 369 Vertreter landwirtschaftlicher Interessen betrachtet hatten, seien sehr enttäuscht. Hieraus die Hoffnung zu schöpfen, daß der Zwist zwischen den judenfeindlichen Agrariern und den deutschsozialen Antisemiten der Sache der deutschen Juden oder dem Liberalismus irgendwie förderlich sein werde', wäre ebenso grundfalsch, als wenn man sich der Erwartung hingeben würde, daß die von den Konservativen übel behandelten Beamtenkreise Preußens, die von der „Kreuz-Zeitung" als „vom Staate Alimentierte" bezeichnet wurden, durch solche Behandlung für freiheitliche Regungen empfänglicher geworden sein müßten. Wenn sich nicht die Regierung dazu anfrafft, den unverantwortlichen Widerstand der auf das Agrariertum eingeschworenen größten Besitzenden zu brechen, sondern die Gunst der Agrarier durch vorteilhafte Entschädigungen und Abwälzung der Steuerlasten auf Genußmittel und auf große Industrien wieder zu gewinnen sucht, dann ist dieses Beispiel sicher nicht dazu angetan, das Rückgrat der Beamten und der Kleinbauern zu stärken, denen man schließlich nur etwas Antisemitismus vorzugaukeln braucht, um sie darüber zu täuschen, wo ihre wahren Gegner sich befinden. „Wer sie nicht kennte, die Elemente", die die Kerntruppen der Berliner Bewegung in den achtziger Jahren bildeten und denen heute wieder mit gleichem Erfolge in den konservativen Bürgervereinen und in den antisemitischen Konventikeln die mit sehr geringen Ausnahmen auch einen schweren Kampf ums Dasein führenden Juden samt und sonders als im Reichtum schwelgend und als Beherrscher aller linksstehenden Parteien geschildert werden! So lange in den Kreisen der Beamten, der Handwerker und der Bauern dies e r Geist herrscht und solche Lehren verfangen, werden Nur vielleicht in den Großstädten, wo die Aufklärung nicht zu verbannen ist, unbefangene, vorurteilsfreie Stadtverwaltungen, aber in den Volksvertretungen keine solche Mehrheit erlangen, die, ohne Rücksicht auf mächtige Interessengemeinschaften, das schafft, was allein jene Nebel beseitigen kann, die gerade die Beamten, die Handwerker und die Bauern am schwersten belasten. Daß selbst in der deutschen Reichshauptstadt ein Mann, der seine Stellung als Fortbildungsschullehrer einbüßte, weil er in der Fortbildungsschule törichte Beschimpfungen der Berliner Stadtverwaltung hatte durchgehen lassen, einen Kreis finden