Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 368 (sequence 8)
- Language
- German
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368 Jrn deutschen Reich. er es vorsichtig vermeidet, den Agrariern durch Dick und Dünn nachzugehen, sondern sich denen anzureihen sucht, die es weder auf eine Reichstagsauflösung noch auf einen Kanzlersturz ankommen lassen möchten. Das macht ihn aber nur um so gefährlicher; denn wenn auch einzelne Mitglieder der „Wirtschaftlichen Vereinigung" es ablehnen, als Judenfeinde zu gelten, z. B. der Abg. Roth, der im Reichstage am 23. April wörtlich sagte: „Wenn ich diese Frage hier behandle, so glaube ich der Sache zu dienen, wenn ich sage, daß ich nicht Antisemit bin und auch keiner antisemitischen Partei an gehöre", so trifft das für den Vorsitzenden der „Wirtschaftlichen Vereinigung" in keiner Weise zu. Liebermann hat am 2. Mai in der Landesversammlung der sächsischen Antisemiten den Vorsitz geführt und sich dabei zwar nicht über etwaige glänzende Aussichten der antisemitischen Sache geäußert, aber so in den Erinnerungen an die Leipziger Glanzzeit des Antisemitismus vor zwanzig Jahren gesonnt, daß man dieUeberzeugung gewinnen mußte, daß sein jetziges Einlenken und seine Beschränkung auf die'Anpreisung der christlichnationalen Arbeiterbewegung lediglich auf taktische Gründe zurückzuführen sei. Das beweist schon die Tatsache, daß die „Deutsch-sozialen Blätter" die gehässigen Angriffe gegen die Juden in jeder Nummer mit gleicher Heftigkeit fortsetzen. Die Empfindung, daß der „Bund der Landwirte" bei den Erörterungen über die Reichsfinanzreform den Bogen zu straff gespannt und dadurch der konservativen Sache nicht nur bei der Regierung, sondern auch bei der Mehrheit der Bevölkerung geschadet habe, ist selbst bei solchen Antisemiten vorhanden, die noch vor kurzem bei den Agrariern Unterschlupf gesucht hatten. Dazu gehört in erster Reihe der deutsch-soziale Abg. Dr. Böhme, der in einer Broschüre „Finanzreform und Bauernstand" dieser Meinung neuerdings in einer Schärfe Ausdruck verlieh, die ihm der „Bund der Landwirte", bei dem Böhme zeitweilig angestetlt war, nie verzeihen wird. Die „Deutsche Tageszeitung" hat sich deshalb mit diesem, ihr als Renegaten geltenden Verfechter der Erbschaftssteuer besonders liebevoll beschäftigt und erklärt, die Mitglieder des „Bundes der Landwirte", die seither die Mitglieder der „Wirtschaftlichen Vereinigung" als die