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Im deutschen Reich · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. 351

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Antisemitische Jugendlektüre
Date
1909-06-01
Page
351 (sequence 6)
Language
German
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Antisemitische Jugendlektüre. 351 lich verletzenden Weise benommen habe".' Sehr nett ausgedrückt! Das Buch befand sich in der Klassenbibliothek der Quarta eines königlichen Gymnasiums!!! Und wie der Autor es ausgezeichnet versteht, scharf an der Grenze zu balanzieren, möge das folgende zeigen. „Vom Juden haben wir freilich keine Nachsicht zu erwarten, so viel kenn' ich mich aus", spricht eine arnne Frau in der Geschichte, und der Interpretation des jeweiligen Lesers bleibt es überlassen, ob er diese Worte auf den vorliegenden Spezialfall oder auf die ganze Gattung „Jude" angewandt wissen will. Es sei ausdrücklich hervorgehoben, daß hier ganz willkürlich zwei Schriften herausgegriffen worden sind, die mir zugleich mit anderen in letzter Zeit zufällig in die Hände fielen, daß es sich also nicht um Einzelfalle, sondern um typische Repräsentanten einer verbreiteten Literaturgattung handelt, und jeder Vater, der für einige Zeit seines Kindes Lektüre überwacht, wird zu seinem Bedauern sich genötigt sehen, die Richtigkeit dieser Behauptung anzuerkennen. Worauf hat sich nun des Juden Auftreten gegen eine derartige gehässige Vergiftung der Kindesseele zu erstrecken? Vor einiger Zeit waren es, wenn ich uttd) recht erinnere, die Logen, die einen Anfang machten. Sie veröffentlichten im „Wegweiser" eine ziemlich umfangreiche Liste solcher Bücher, die sich zur Anschaffung für jüdische Kinder nicht eignen. Dieser erste Schritt, so löblich mib dankenswert er an sich auch ist, krankt jedoch an zwei Fehlern. Denn zunächst hat die Liste keine allgemeine Verbreitung finden fömten, da sie über den verhältnismäßig engen Kreis der Logen nicht hinausgekommen ist. Zum zweiten aber ist das Problem bedauerlicherweise nur von der einen Seite angefaßt und einzig und allein die Wirkung dieser Art von Lektüre auf jüdis che Kinder einer Betrachtung unterzogen worden. Gewiß muß jüdischen Eltern und Lehrern die Möglichkeit verschafft werden, Bücher dieser Gattung von der jüdischen Jugend sernzuhalten. Ebenso wie bei dem so oft gerügten Erstehen antisemitischer Blätter durch Juden ist hier ernstlich zu vermeiden, daß man durch den Ankauf mit zur Verbreitung des Antisemitismus beiträgt und so ein judenfeindliches Unternehmen ideel und materiell unterstützt. Weit wichtiger aber ist es noch, zu verhindern, daß schon die Seelen junger Kinder

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