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Im deutschen Reich · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. 350

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Antisemitische Jugendlektüre
Date
1909-06-01
Page
350 (sequence 5)
Language
German
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350 Im deutschen Reich. grinsten der Juden darstellen würde, wollte man die Gestalt des bösen Juden überhaupt vermeiden, oder sein Judentum völlig verschweigen, ist gänzlich Hinfällig. Es wäre banal, an dieser Stelle noch zu betonen, daß jeder verständige Jurist und Nationalökonom den Zusammenhang Zwischen Konfession und Krinrinalitüt schon längst aus seinem System gestrichen hat. Zudem handelt es sich ja in Jugendschriften gar Glicht um wahrheitsgetreue Schilderungen wirklicher Vorgänge, sondern um Phantasieerzeugnisse, und wie sonst im Leben findet man auch hier sowohl, daß nie die Konfession irgendeiner Figur betont wird außer der des Juden, wie auch, daß das Glaubensbekenntnis einer Gestalt mit schlechten Eigenschaften nicht ohne besondere Absicht so aufdringlich hervorgehoben wird! In dem einen Buche wird sich solches Bestreben stärker, in dem anderen wieder schwächer darstellen. Als Musterbeispiel für die Art, wie geschickt man Vorgehen kann, sei ein Büchlein) des schon oben genannten Otto von Schaching zitiert, dessen Veröffentlichungen übrigens fast durchweg antisemitischen Geist atmen. Der Verfasser dieser wahren (!) Geschichte gibt in außerordentlich geschickter Weife vor, ein Individuum zu schildern, das zufällig jüdisch ist, und doch ist die ganze Schrift in dem betreffenden Teile nichts als eine durchsichtige Tendenzmache. Einige Beispiele mögen dies näher erläutern. Der Held, Namens Moses Reibermann, wird nie anders eingeführt als unter der Bezeichnung „der Jude Reibermann". Es werden diesem „Juden" Reibermann, der natürlich beileibe nicht die gesamte Juden-he.it repräsentiert, „nur" folgende Eigenschaften beigelegt: Er ist hartherzig, schadenfroh, nachtragend, grausam und selbstverständlich ein gemeiner Wucherer! Ja, in dieser Jugend - schrift (!) glaubt der Verfasser, um auch nichts aus dem gefüllten Arsenal antisemitischer Giftwaffen auszulassen, selbst schildern zu müssest wie der lüsterne Jude ein Mädchen zu vergewaltigen fn^t. Nach einer recht deutlichen Schilderung sagt der Text, \11^/ „Moses . . . sich Marie gegenüber in einer die Achmncf^gegen das weibliche Geschlecht gröb- \) Hennewein, Der Wildsch ü tz, einew ahre Geschichte aus den Bergen.

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