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Im deutschen Reich · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. 352

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Antisemitische Jugendlektüre
Date
1909-06-01
Page
352 (sequence 7)
Language
German
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352 Im deutschen Reich. vergiftet werden, indem ihnen schlechte Bildern von der Gemeinschaft entworfen werden, der sie angehören, der sie nach den Lehren ihrer Erzieher mit Stolz sich zuzählen sollen! Und wenn auch verständige Eltern ihr Kind von der Verlogenheit der Darstellung werden überzeugen können, der Stachel bleibt, und zum mindesten ist das junge Wesen schon in früher Jugend von dem Schlamm' der politischen Kämpfe bespritzt und hat an seiner eigenen Person eine Probe von Religions- und Rassenhaß sowie von ihrer tief verletzenden Bosheit erfahren, bevor es noch recht in die Welt hinaus geschaut hat. Ein mindestens ebenso großes Interesse haben wir aber daran, daß auch bei den christlichen Mitschülern unserer Kinder nicht schon auf der Schulbank durch tendenziöse und unwahrhaftige Schilderungen des Judentums und der Juden der Grund zu Haß oder Verachtung gelegt werde. Die christliche Jugend wird durch solche Lektüre in ganz falschen Anschauungen erzogen, und manche Märchen sind trotz ihrer greifbaren Torheit und trotz aller logischen Gegenbeweise selbst aus dem Vorstellungskreise gebildeter Menschen unausrottbar, weil sie den Juden nur aus den verlogenen Schilderungen der Jugendzeit kennen und nicht mehr imstande sind, sich von den festhaftenden Kindheitserinnerungen ganz zu emanzipieren. Was nun den Ankauf derartiger Bücher seitens christlicher Eltern betrifft, so können wir freilich nichts anderes tun als in Fällen, da es aus Unwissenheit geschieht, aufklärend zu wirken, und wir müssen uns im übrigen auf den Takt unserer Mitbürger und auf ihre Einsicht verlassen, daß ein Erregen von Judenhaß auch der Seele dessen schädlich werden muß, bei dem er hervorgerufen wird. An einer Stelle jedoch ist uns die Möglichkeit des Einschreitens gegeben, das damit geradezu zur Pflicht wird, nämlich in den Bibliotheken der S ch u l e n , die von jüdischen Kindern besucht werde n. Mit vollem Recht achtet heute die Schule streng darauf, daß kein Buch in einer Schülbücherei einen Platz findet, das geeignet wäre, die religiösen Anschauungen evangelischer oder katholischer Schulkinder zu verletzen, ja, es existieren über diesen Punkt Verordnungen der Vorgesetzten Behörden! Genau dasselbe Recht dürfen wir Juden für uns in Anspruch nehmen. Wir können und..müssen verlangen,

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