Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Antisemitische Jugendlektüre
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 349 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Antisemitische Jugendlektüre. 349 arten mancher Bücher, die, so bedauerlich auch ihr Vorhandensein gerade in Jugendschriften sein wag, mehr als Entgleisungen und ungeschickte Redewendungen der Verfasser denn als absichtliche Kränkungen ausgefaßt werden muffen. Meist führt auch in solchen Fällen eine Bitte, sie in einer Neuauflage zu vermeiden, zum gewünschten Ziel. Der springende Punkt für die Annahme von Antisemitismus ist natürlich die Gesinnung, die eine Schrift dokumentiert. Sehr leicht sind bei einer Prüfung diejenigen Bücher zu erledigen, welche sich offen zu judenfeindlichen Tendenzen bekennen. Wenn in einer JugendschristZ, die als Beispiel herausgegriffen werden soll, direkt geschrieben steht, der Jude sei, wie alle seine S t a m m e s g e n o s s e n, ein habgieriger Mensch, wenn der Herr Verfasser sich ferner bemüht nachzuweisen, daß der Jude mit seiner Pestsalbe gegen Entgelt für die Verbreitung der Krankheit unter den Christen sorgt, so braucht man nicht lange zu überlegen; eine solche Gesinnung richtet sich in den Augen eines jeden anständigen Menschen ganz von selber! Man wird jedoch meist bemerken, daß die antisemitischen Jugendschriftsteller sich einer gewissen Vorsicht befleißigen und sich wohl hüten, in allgemein gültigen Sätzen ihrer judenseindlichen Gesinnung Ausdruck zu verleihen. Weit lieber pflegen sie die Gestalt eines Juden darzustellen und aus seine Schilderung die größte Sorgfalt zu legen. Diese Figur „schmückt" der Verfasser mit all den Eigenschaften, die sie in den Augen der Jugend lächerlich oder verächtlich machen sollen, und diese Methode empfiehlt sich außerordentlich, weil sie einerseits dieselben Ziele spielend erreicht wie der direkte Angriff, andrerseits aber dem Autor für den Notfall noch immer die Entschuldigung offen läßt, er habe nicht die Juden heit, sondern nur ein I n d i v i d u u m im Auge gehabt, und daß besagtes Individuum der jüdischen Religion angeböre, sei doch nicht s e i n e Schuld! -,cu Dieser Einwand, daß es auch schleck'^.^Juden gibt, und daß es in einer Schilderung des Lebeu'^,ne Fälschung zu- *) D i e P e st s a l b e von Otto v o n S ch a ch i n g, Regensbnrg, Verlags-Anstalt vorm. G. I. Manz. — In dem Prospekt als Volksu n d I n g e n d s ch r i f t bezeichnet'