Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Antisemitische Jugendlektüre
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 348 (sequence 3)
- Language
- German
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31S Im deutschen Reich. sindungs- und Gedankenwelt des Verfassers liegt, und daß sie nicht auf das gereiste Urteil eines verständigen Lesers stößt, der imstande ist, die Spreu vom Weizen zu sondern und das Schlechte der verdienten Vergessenheit anheimsallen zu lassem Ein schlechter Roman geht an der Ablehnung zugrunde, die er beim großen Publikum erfahren hat; die Verbreitung und die Beliebtheit eines Jugendbuches hingegen hängt häufig nur von dem Geschmack des Referenten im Provinzialschulkollegium ab. Seine individuelle Meinung und seine Empfehlung genügen vollauf, um ein jedes Buch ganzen Generationen nicht urteilsfähiger Schüler aufzuzwingen und somit ihre Anschauungen zu beeinflussen. Ist eine Schrift dann Bestandteil einer Schülerbibliothek geworden, so wird manchmal der Wille des Schülers fast gänzlich ausgeschaltet, wenn der Lehrer ihn — wenigstens in den unteren Klassen — nicht selbständig wählen läßt, sondern ihm gibt, was er für angemessen hält. Die Tendenz der Jugendliteratur, der erzieherische Zweck, der zu einer ganz besonders sorgfältigen Auswahl der Werke Anlaß geben sollte, bringt es mit sich, daß bis zu einem gewissen Grade alle diejenigen sich auf die Auslese einen Einfluß sichern müssen, die an einer verständigen Erziehung der Jugend ein Interesse haben, in erster Reihe also die Eltern! Und während dem Judentum der Begriff eines Index für die Lektüre des erwachsenen gereiften Menschen aus den erwähnten Gründen völlig unbekannt ist, empfiehlt es sich aus den verschiedensten Ursachen, bei den Jugendschriften eine Ausnahme zu -machen, recht scharf zu sichten und für den Gebrauch aller derer, denen die Zeit fehlt, selber zu prüfen, ein Verzeichnis derjenigen Bücher zusammenzustellen, welche wegen ihrer antisemitischen Gesinnung als ungeeignet angesehen werden müssen. Zunächst aber handelt es sich darum, festzustellen, was eigentlich unter antisemitisch verstanden werden soll! Daß man sich — wie bereits erwähnt — vor einer übertriebenen Empfindlichkeit hüten muß, ist hier ebenso selbstverständlich wie für alle anderen Gebiete des wirtschaftlichen und politischen Lebens; kann doch eine solche geradezu als ein Gefühl der eigenen Schwäche ausgelegt werden. Das gitü — auf unser Gebiet iibertragen — von einzelnen Ausdrücken und Redens-