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Im deutschen Reich · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. 344

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Der Antisemitismus an den deutschen Hochschulen
Date
1909-06-01
Page
344 (sequence 5)
Language
German
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344 Im deutschen Reich. honorige Studenten, stempelte man sie zu Parias der Studentenschaft. In der Pflege des jüdischen S e l b ft b e w u ß t - seins erblickten daher alle jüdischen Studentenkorporationen urit Recht die Grundlage ihres Kampfes. Denn nur durch selbstbewußtes Auftreten, nur wenn sie selbst das Judentum achteten, konnten sie erwarten, die Achtung ihrer Kommilitonen zu erwerben und die durch vielhundertjährige Gewöhnung gefestigten Vorurteile zu überwinden. Seit der Gründung der Viadrina in Breslau hat die Organisierung der jüdischen Studentenschaft rasche Fortschritte gemacht. In der „Thuringia" in Heidelberg, der „Sprevia" in Berlin, der „Licaria" in München, der „Friburgia-Ghibellinia" in Freiburg i. Br., der „Rheno-Silesia" in Bonn und der „Viadrina" in-Darmstadt sind ihr Schwesterverbindungen entstanden, und am 8. August 1896 haben sie sich zur gemeinsamen Förderung ihrer Ideale im K. C. (Kartell-Convent) zu einem innigen Verband zusammengeschlossen. Ihr Zweck ist der Kampf gegen den Antisemitismus; als Grundlage ihres Strebens betrachten sie die Vereinigung des Deutschtums mit dem Judentum, der auf dem Zugehörigkeitsgefühl zur deutschen Volks- und Külturgemeinschaft beruhenden Vaterlandsliebe mit dem offenen selbstbewußten Bekenntnis zum Judentum. Den K. C.-Verbindungen gebührt das Verdienst, zum ersten Male auf dieser Grundlage den Gedanken der Selbstverteidigung in die Praxis umgesetzt zu haben, dem der Central-Verein in so glänzender Weise auch im bürgerlichen Leben Anerkennung erringen sollte. Nach dem K. C. ist der die „Vereine Jüdisch er Studenten" umfassende „Bund Jüdischer Corpora tioneu" (B. I. C.) die größte jüdische Studentenorganisation. Seine in Berlin, Charlottenburg, München, Breslau, Straßburg, Freiburg, Königsberg und Marburg bestehenden Vereine betonen gemäß ihrem Wahlspruch „H i l f d i r s e l b st" den Gedanken der Selbstverteidigung. Auch sie betrachten die Erziehung ihrer Mitglieder zum selbstbewußten Bekenntnis zum Judentum als eine ihrer schönsten Aufgaben und als die Grundlage einer erfolgreichen Bekämpfung des Antisemitismus. Andererseits bestehen zwischen B. I. C. und K. C. hinsichtlich Organisation und Bestrebungen weitgehende Unter-

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